Eine Ära geht zu Ende: Seit 2002 steht Dr. Volker Leienbach an der Spitze des PKV-Verbands, Ende Februar übernimmt Dr. Florian Reuther, bisheriger Chef der Rechtsabteilung des Verbands.
Eine Ära geht zu Ende: Seit 2002 steht Dr. Volker Leienbach an der Spitze des PKV-Verbands, Ende Februar übernimmt Dr. Florian Reuther, bisheriger Chef der Rechtsabteilung des Verbands.Quelle: picture alliance / Klaus-Dietmar Gabbert
Erschienen in Ausgabe 2-2019Trends & Innovationen

„Beim Blick zurück wird mir beinahe schwindelig, so viel ist passiert“

In seinem letzten offiziellen Interview als PKV-Verbandsdirektor spricht Dr. Volker Leienbach  über Medienkritik, große Gesundheitsreformen und persönliche Erfolge

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Ende 2018 wimmelte es nur von Presse-Artikeln, wie Patienten dem Beitragsschock aus der PKV entgehen oder ihre Beiträge für das Jahr 2019 deutlich senken. Haben Sie es nicht satt, sich für die Beitragserhöhungen ständig zu rechtfertigen?

Manche der von Ihnen erwähnten Medienberichte sind in der Tat ärgerlich, wenn sie Einzelfälle lustvoll dramatisieren und zugleich repräsentative Fakten bewusst ausblenden. Da beruht zum Beispiel ein „Beitragsschock“-Artikel in einer großen deutschen Zeitung auf dem aufgebauschten Fall eines einzelnen Arbeitnehmers, der nach einer Beitragserhöhung jetzt rund 600 Euro zahlt. Die Tatsache, dass derselbe Mann in der GKV 703 Euro Monatsbeitrag hätte und zudem sein Pflege-Beitrag dort mehr als doppelt so hoch wäre wie in der PKV, erfährt man nicht. Manche Medien sind da wie in einer selbstgebauten Echokammer unterwegs. Wie weit das von der Realität der 8,8 Millionen Privatversicherten entfernt ist, zeigt zum Beispiel eine repräsentative Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag der Verbraucherzentrale Hamburg: 90 Prozent der Befragten sind mit ihrer PKV zufrieden oder sogar sehr zufrieden.

Wie hoch sind denn die Beiträge in den vergangenen Jahren wirklich gestiegen?

Sie sind in den letzten zehn Jahren sogar weniger stark gestiegen als in der Gesetzlichen Krankenversicherung. Von 2009 bis 2019 waren es in der PKV im Schnitt 2,8 Prozent und in der GKV 3,3 Prozent pro Jahr. In der GKV steigen die Beiträge jedes Jahr automatisch und in aller Stille – mit jeder Gehaltserhöhung wird mehr Beitrag abgebucht und zudem die Bemessungsgrenze jedes Jahr erhöht. Im Unterschied dazu darf die PKV die Beiträge immer erst nachträglich an die gestiegenen Gesundheitsausgaben anpassen. Durch diese gesetzliche Vorgabe kann es in PKV-Tarifen zu einem Wechsel von mehreren Jahren mit Beitragsstabilität und dann sprungartigen Erhöhungen kommen. Wir haben Vorschläge vorgelegt, um die Beitragsentwicklung zu verstetigen. Sie werden auch von Verbraucherschützern unterstützt. Doch leider hat die Politik das bisher nicht umgesetzt, weil die SPD seit Jahren jede Reform zu Gunsten der Privatversicherten blockiert.

Für die Beitragsanpassung gibt es dabei durchaus nachvollziehbare Gründe ...

... genau. Wichtig ist auch der Hinweis, dass der Großteil der PKV-Beiträge in die Alterungsrückstellungen fließt. Das Geld der Versicherten ist also nicht weg, sondern kommt ihrer eigenen Versorgung im Alter zu Gute. Der Bundesgerichtshof hat soeben in seinem Urteil zum sogenannten…