Abbildung  1: Beispiel für fehlendes RV-Matching unter IFRS 17 bei der Erstbewertung (Quotenvertrag mit 30%-Quote auf Prämien und Leistungen)
Abbildung  1: Beispiel für fehlendes RV-Matching unter IFRS 17 bei der Erstbewertung (Quotenvertrag mit 30%-Quote auf Prämien und Leistungen)Quelle: BDO
Erschienen in Ausgabe 2-2019Politik & Regulierung

Ausbessern, solange noch Zeit bleibt

Mit IFRS 17 sind nun einheitliche Bilanzierungsregeln zu befolgen. Dabei ist der neue Standard nicht unumstritten. Wie lauten die Kritikpunkte und potenzielle Steuerungsimplikationen?

Von Thomas Volkmer und Steffen Hensen und Dr. Alexander Ludwig und Lars MeyerVersicherungswirtschaft

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Nach langjährigen Konsultationen hat das International Accounting Standards Board (IASB) am 18. Mai 2017 den neuen internationalen Standard zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen IFRS 17 veröffentlicht. Mit IFRS 17 liegt nun erstmals eine weltweit einheitliche Grundlage für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen vor. Gegenstand ist die Abbildung der aus Versicherungsverträgen resultierenden substanziellen Rechte und Verpflichtungen. Zunächst war die verbindliche Erstanwendung auf den 1. Januar 2021 festgelegt. In seiner Sitzung im November 2018 hat das IASB beschlossen, den Zeitpunkt des Inkrafttretens von IFRS 17 um ein Jahr zu verschieben. Damit ist der spätestens mögliche Erstanwendungszeitpunkt für Versicherer nun der 1. Januar 2022. Auslöser für die Verschiebung stellte letztlich das Agenda Paper 2D des IASB-Meetings im Oktober 2018 dar, in dem 25 Bedenken und Umsetzungsherausforderungen veröffentlicht wurden. Die folgenden Ausführungen beleuchten wesentliche Aspekte, bei denen konkreter Nachbesserungsbedarf identifiziert wurde. Hierbei wird insbesondere auf die seitens EFRAG genannten Kritikpunkte eingegangen.

Keine Verteilung von Abschlusskosten bei Vertragserneuerungen

Ein Versicherungsvertrag wird zum Zeitpunkt der Erstbewertung als verlustträchtig angesehen, wenn der dem Vertrag zugeordnete Erfüllungswert einschließlich der angesetzten Zahlungen für Abschlusskosten und die Zahlungsströme, die sich aus dem Vertrag im Zugangszeitpunkt ergeben, zu einem Nettomittelabfluss führen (IFRS 17.47). Ein Unternehmen hat seine Versicherungsverträge unter anderem so zu gruppieren, dass derartige Verträge getrennt von nicht verlustträchtigen Verträgen ausgewiesen werden (IFRS 17.16a). Bei der Einschätzung, ob ein Versicherungsvertrag als verlustträchtig einzustufen ist, können die Abschlusskosten eine besondere Rolle spielen. Dies kann insbesondere bei solchen Verträgen der Fall sein, bei denen die Abschlusskosten in der Realität unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit für künftige Vertragsverlängerungen ermittelt werden. Im deutschen Markt ist dies gängige Praxis. Unter IFRS 17 sind künftige Vertragsverlängerungen jedoch außerhalb der Vertragsgrenzen (IFRS 17.34), sodass den Abschlusskosten nur die Prämien bis zur ersten Vertragsverlängerung gegenüber stehen. Aus diesem Grund können Verträge innerhalb der ursprünglichen Vertragslaufzeit verlustträchtig sein, wohingegen sie in den Verlängerungsjahren aufgrund der dann ausbleibenden bzw…