Hans-Peter Holl, Vorstand Geschäftsbereich Versicherung der enowa AG
Hans-Peter Holl, Vorstand Geschäftsbereich Versicherung der enowa AGQuelle: Enowa
Erschienen in Ausgabe 12-2019Politik & Regulierung

„Versicherer können die Dynamik unserer Zeit nicht mehr allein bewältigen“

Enowa-Manager Hans-Peter Holl und Thomas Heißmeyer im Gespräch über strategische Wege aus dem Innovationsdilemma

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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Zuletzt war in den Medien zu hören, dass die IT der Allianz stundenlang ausgefallen sei – einem Leader der Branche. Wie kann so etwas heute eigentlich noch passieren?

Thomas Heißmeyer: Ein IT-Ausfall kann viele Ursachen haben, da wollen wir nicht spekulieren. Die gesamte Branche steht vor großen Herausforderungen und ist mitten im Umbruch. Das erfordert eine klare Strategie, Investitionen und natürlich Ressourcen zum Umbau der IT-Systeme. Damit ist es jedoch nicht getan. Technologien und Kundenverhalten ändern sich ständig. Höhere Flexibilität wird nötig und ist technisch möglich. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, gilt es, die Frage zu beantworten, wie das zukünftige Target Operating Model der IT und der Weg dahin aussehen. Auf diese Frage muss jeder Versicherer eine Antwort finden. 

Thomas Heißmeyer, CSO im Geschäftsbereich Versicherung Enowa
Thomas Heißmeyer, CSO im Geschäftsbereich Versicherung EnowaQuelle: Enowa

Wieso haben die deutschen Versicherer Probleme mit der digitalen Transformation?

Hans-Peter Holl: Die größte Herausforderung ist sicherlich die Dynamik, mit welcher der digitale Wandel zu vollziehen ist. Zudem handelt es sich bei der digitalen Transformation ja nicht nur um einen einzelnen gewünschten Soll-Zustand, den es zu erreichen gilt, sondern um eine permanente Wandlungsbereitschaft, also eine flexible Organisation, die schnell auf Markt- und Technologieveränderungen reagieren kann. Diesen Entwicklungen stehen nicht nur die gewachsene, unflexible IT-Landschaft, sondern auch die meist traditionellen Organisationsformen und auch die Mentalität im Weg. Nun ändert sich nicht nur das Nutzungsverhalten der Kunden und damit der Kundenzugang, sondern es treten auch Start-ups und Insurtechs mit neuen Produkten und Lösungen auf.

In welchen Bereichen sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Holl: Versicherungsunternehmen müssen sich auf Veränderungen einlassen und tief verankerte Prozesslandschaften, die im Moment Innovationen verhindern, aufbrechen, umdenken und sich auf mehreren Ebenen öffnen. Die konkreteste Ebene befindet sich tief im Maschinenraum der Versicherer. Die über Jahrzehnte gewachsenen IT-Systemlandschaften genügen heutigen Ansprüchen nicht mehr. Es erfordert eine standardisierte und offene IT-Architektur, um neue Produkte zu entwickeln und sich neu aufzustellen.

Sind die Versicherer innovationsmüde?

Heißmeyer: Innovationsmüde sind sie keinesfalls, sondern eher innovationsgehindert, aus den genannten Gründen. Und wir sehen ja auch, dass sich gerade im Hinblick auf Kooperationen und Innovationsschmieden…