Erschienen in Ausgabe 12-2019Schlaglicht

Risiko, wohin man blickt

Eine stärkere Fokussierung auf das Komposit-Geschäft ist kein Garant für Erfolg. Wichtige Sparten sind notleidend oder wachstumsschwach. Für 2020 steht Sanierungsarbeit an.

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Während sonst im deutschen Schaden-/Unfallgeschäft kaum Wachstum zu erwarten ist, entsteht mit Cyber eine Sparte, die die Kfz-Versicherung womöglich als volumenstärkste Sparte ablösen könnte“, prognostizieren Assekurata und Instinctif in einer gemeinsamen Studie. Schon 2017 schätzte die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft KPMG, dass dieses bisher vor allem in den USA gezeichnete Risiko in Deutschland bis zum Jahr 2036 auf 20 Mrd. Euro Prämie wachsen werde. In einem besonders optimistischen Fall könnten es laut KPMG sogar über 26 Mrd. Euro werden. Drei Viertel des Aufkommens entfielen dabei auf das Geschäft mit Privatkunden und kleinere Unternehmen.

Eine Schätzung, an die der oberste Versicherungsaufseher Dr. Frank Grund, wie er jüngst vor der Presse kundtat, „nicht glaubt.“ Denn der Markt entwickele sich langsam. Die Anbieter agierten bei diesem neuen Risiko vorsichtig – und damit seien sie auch gut beraten. Deckungssummen in mehrfacher Millionenhöhe würden seiner Kenntnis nach nicht ausgelegt und könnten allenfalls europaweit eingesammelt werden. Einen Überblick über die Cyber-Policen will sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in einem Aufsichtsschwerpunkt 2020 verschaffen.

Noch also „fliegt“ Cyber nicht. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft nennt für 2018 ein Prämienvolumen von rund 50 Mio. Euro. Die Aktuare von Meyerthole Siems Kohlruss schätzten im Frühjahr, dass erst 50.000 Cyber-Policen mit einem Beitragsvolumen von 100 bis 200 Mio. Euro verkauft worden sind. In diesem jungen, dynamischen Umfeld beginne sich allerdings erst langsam ein „Common Cense“ herauszubilden, welche Potenziale der Markt realistischerweise biete und mit welchen Leistungen die Assekuranz ein solides Angebot aufbauen könne, schreiben Assekurata und Instinctif.

Viele und hohe Schäden

Gleichwohl: Die Sensibilität für dieses Risiko wächst – spätestens durch Schaden werden die potenziellen Kunden klug. In Deutschland ist bereits knapp jeder Vierte ein Opfer von Internetkriminellen geworden. Meist ging es um Betrug beim Onlineshopping (36 %), Phishing (28 %) und Schadsoftware (26 %), so eine Umfrage des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK). Im gewerblichen Bereich sieht es nach Schätzungen verschiedener Experten noch kritischer aus. Jede zweite Firma fiel nach verschiedenen Expertenschätzungen in den letzten zwei Jahren Hackern, digitalen…