Erschienen in Ausgabe 12-2019Trends & Innovationen

Quo vadis?

Von Dr. Dirk SolteVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

„Als sie das Ziel aus den Augen verloren hatten, verdoppelten sie ihre Anstrengungen…“. Diesen Satz prägt die Erfahrung als einen vielschichtigen Aphorismus. Orientierungslosigkeit ist ein Zustand meist innerer Unruhe und Unzufriedenheit, der je nach Charakter auch in Resignation und Fatalismus münden kann. Der Satz könnte also noch ergänzt werden: „...bis sie vor Erschöpfung aufgaben.“ Effizienz und Effektivität bleiben unweigerlich auf der Strecke, wenn nicht mehr klar ist, was mit minimalem Aufwand erreicht werden soll. In der aktuellen Zeit wird Orientierung wichtiger als jemals zuvor. Es gilt zwar weiterhin, dass nichts so beständig wie der Wandel ist, neu ist aber das Ausmaß und die Frequenz. Die Lösungen für die Probleme von gestern, also die Wege zu den bisherigen Zielen, haben so viele neue Probleme entstehen lassen, dass Wandel nicht mehr ausreicht, sondern jetzt Disruptionen und „Transformationen“ angesagt sind.  

Die Antwort auf Digitalisierung, Klimawandel, der mit immer mehr Menschen gegebene Mobilitäts- und Konsumbedarf, die ganze Palette der bestehenden Herausforderungen, dafür bedarf es neuer Visionen und der Definition neuer Ziele mit anschließender, wie gewohnt pragmatischer Verfolgung. Aber auch der Pragmatismus unterliegt dem Wandel. Der Neo-Pragmatismus setzt auf Agilität, Vertrauen und Reifungszyklen, einer hohen Flexibilität, selbst bei sich ändernden Zielen. Fühlen Sie da ein Unbehagen? Orientierung ist auch für einen agil operierenden, lernenden und denkenden Unternehmens-Organismus erforderlich, die Ziele müssen für einen Sprint klar sein. Können gute, eigenverantwortliche Entscheidung gefällt werden, ohne zu wissen, was man will? Das ist wie im individuellen Bereich. Wo will ich hin, was ist mein Ziel?

Ein Ziel schafft Orientierung und Sicherheit, auf nahezu allen Wegen dorthin, auch wenn Hindernissen flexibel ausgewichen und Umwege in Kauf genommen werden müssen. Das Ziel gibt dem Handeln den Sinn und schafft Zufriedenheit, auch und sogar gerade dann, wenn immer wieder neue Herausforderungen bewältigt werden müssen. Für die organisationale Ambidextrie, das beidhändige Management, steckt in der großen Aufgabe, die richtige Balance zwischen Stabilität und Wandel zu finden, kein unauflöslicher Widerspruch. Ein denkendes Unternehmen mit klar kommuniziertem Strategieziel und Wertekanon, bietet seiner Belegschaft ein Umfeld mit spannenden Herausforderungen auf dem Weg des Wandels, aber auch Phasen für den Stressabbau, damit die…