Quelle: Swiss Re
Erschienen in Ausgabe 12-2019Unternehmen & Management

„Heute ist der Teil zum klassischen Geschäft eher ein Small Talk zu Beginn“

Frank Reichelt, Head Northern, Central & Eastern Europe Swiss Re, über Zyklen und neue Zeiten in der Rückversicherung

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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In Baden-Baden sagten Sie mir, dass sie schon seit 1983 in der Versicherungsbranche tätig seien. Seit 1994 besuchen sie die jährlichen Rückversicherungsmeetings. Eine lange Zeit. Wie fühlt sich das an?

1994 war ich das erste Mal in Baden-Baden. Seitdem habe ich kein Treffen verpasst. Es fühlt sich manchmal einerseits gut, andererseits erschreckend an, wie lange ich schon dabei bin (lacht).

Wie war es damals?

Rein äußerlich war die Branche hier früher verteilt auf die drei großen Hotels. Entsprechend eng ging es zu. Ein fürchterliches Gewurle. Aber man hat sich gesehen und zwischendurch kurz miteinander gesprochen. In dem Sinne war es früher viel interaktiver.

Und heute?

… hat man zwar auch die vielen Meetings, doch hat der direkte Kontakt mittlerweile abgenommen. Das Kongresshaus, so toll wie es ist mit über 200 Tischen, aber die Leute bewegen sich kaum heraus. So komisch es klingen mag: Der Markt war früher deutlich agiler als heute.

Tatsächlich?

Klar. Dazu eine kleine Anekdote. Früher ist man zum Beispiel mit zwei Koffern angereist. Der eine war befüllt mit Kleidung, der andere mit Unterlagen. Heute steht ein Ipad gegenüber dem anderen, wenn man sich einmal mal umschaut. Das bringt Effizienz, nimmt aber auch ein Stück weit die menschliche Komponente.

Ein schöner Vergleich. Wie professionell ist Rückversicherung heute?

Die Gespräche mit den Kunden, das gesamte Verhältnis ist insgesamt viel professioneller geworden. Früher hat man sich vergleichsweise relativ locker darüber geeinigt, wie es weitergeht. In Baden-Baden etwa gibt es mehr und mehr Meetings im Halbstundentakt, um noch mehr Leute, noch mehr Partner zu sehen und sich auszutauschen. Die Schlagzahl ist enorm nach oben gegangen.

Worüber reden Sie mit den Kunden?

Wir sprechen sehr detailliert über Veränderungen im Portefeuille. Ist das Exposure angestiegen? Zeichnet der Kunde in anderen geografischen Gegenden als vor zwölf Monaten? Zeichnet er mehr hochsummige oder niedrigsummige Ereignisse? Aber auch generelle Themen wie Wachstum oder neue Technologien sind fester Bestandteil meiner Gespräche. Vor zehn, zwanzig Jahren stand das überhaupt nicht auf der Agenda. Die Rückversicherungsbeziehungen haben heute mehr Tiefe.

Spielt der Nasenfaktor denn gar keine Rolle mehr?

Den berühmten Nasenfaktor – also ob sich die Leute mögen oder nicht – der ist nach wie vor irgendwo da. Wenn man sich sympathisch findet, geht manches einfach leichter. Früher allerdings hatte dieser Nasenfaktor ein viel höheres Gewicht. Schlecht war…