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Erschienen in Ausgabe 12-2019Märkte & Vertrieb

Von Punkt zu Punkt

Internationale Rückversicherungs-Captives haben sich im letzten Jahrzehnt zu wichtigen Marktteilnehmern im Industrieversicherungsgeschäft entwickelt. Auch die „Life Employee Benefits“-Sparten stehen zunehmend im Fokus. Den heutigen Captive-Eignern und ihren Fronting-Dienstleistern macht das regulatorische Umfeld jedoch schwer zu schaffen. Ihre Anwort: Digitalisierung von Netzwerken.

Von Dr. rer. pol. Paul Wöhrmann und Armin Schäfer und Michael BischofVersicherungswirtschaft

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Captives bieten flexible Versicherungs- und Risikofinanzierungslösungen für große Industrieunternehmen. Ein allfälliger versicherungstechnischer Gewinn kommt einem Return on Investment auf den getätigten Investitionen ins Risk Management und in die Verbesserung der Risikoqualität gleich. Im Rahmen von Solvency II wurden die regulatorischen Anforderungen für Captive Modelle substantiell erweitert, insbesondere hinsichtlich der Verfügbarkeit und Granularität von Risk Management Informationen. Dies stellt die heutigen Captive-Eigner und ihre Fronting Dienstleister vor neue Herausforderungen. Die erforderlichen Daten können oftmals nur mit grossem manuellen Aufwand zur Verfügung gestellt werden.

Globale Fronting-Anbieter wie die Zurich Insurance Group investieren deswegen gezielt in die Digitalisierung ihres globalen Fronting-Netzwerks. Neue Ansätze wie „Point-to-Point Connectivity” oder „Connected Ecosystems” zielen darauf ab, die Datenflüsse im Fronting-Netzwerk zu automatisieren und dem Captive-Eigner die notwendigen Informationen konsistent und in der gewünschten Granularität zur Verfügung zu stellen. Nebst der Erfüllung regulatorischer Anforderungen bietet die verbesserte Datenbasis dem Captive-Eigner weitere entscheidende Vorteile. Der operative Aufwand im Versicherungsmanagement und der internen und externen Berichterstattung werden substantiell reduziert. Zusätzlich ergeben sich strategische Vorteile im Risk Management, wie die Ausschöpfung von besseren Konditionen bei der Platzierung am Rückversicherungsmarkt. Im Folgenden diskutieren die Autoren, wie neue Technologien der Digitalisierung die Verarbeitung von Risk-Management-Informationen für international tätige Captive-Eigner erleichtern können.

Globales Fronting bei Rückversicherungs-Captives

Mit der Einführung von Solvency II wurden die regulatorischen Anforderungen für Captives wesentlich erweitert. Neu fusst die Versicherungsaufsicht auf einem risikobasierten Ansatz, welcher die Verarbeitung von umfangreichen und bislang regulatorisch nicht verlangten Informationen erfordert. Im Rahmen der jährlichen Berichterstattung an die Versicherungsbehörde müssen die Captive-Eigner neben weiteren Daten neu auch ein quantitatives Formular, genannt QRT, sowie einen Bericht über die Solvabilität und Finanzlage der Captive, genannt SFCR, liefern.

Gerade das QRT beinhaltet zahlreiche Informationen, deren Beschaffung auf Seiten Captive erheblichen Aufwand verursacht. So werden beispielsweise sehr granulare…