Erschienen in Ausgabe 12-2019Trends & Innovationen

„Die Erfolge der Versicherer täuschen über viele kleine Probleme hinweg“

Kommentar von Redakteur Tobias Daniel

Von Tobias DanielVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Blickt man auf die jüngsten Zwischenbilanzen der Versicherer, überbieten sich die jeweiligen Pressestellen mittlerweile mit regelrechten Lobeshymnen auf die eigene Kraft und Stärke. Kaum ein Unternehmen, das im kommenden Jahr wohl keinen „Rekordgewinn“ verkünden dürfte. Doch der Schein trügt – denn hinter den Fassaden verbirgt sich noch manch ungelöste Baustelle. Jüngstes Beispiel: der deutsche Branchenprimus Allianz. „Oliver der Outperformer“ titelte VWheute vor einem Jahr über Vorstandschef Bäte. Der Gesamtgewinn des Münchener Versicherers stieg in den ersten neun Monaten 2019 um 4,2 Prozent auf 9,1 Mrd. Euro. Der Umsatz wuchs im gleichen Zeitraum um 7,8 Prozent auf 106,9 Mrd. Euro. Wesentlich mehr Sorgen dürfte den Allianz-Oberen hingegen die Industrieversicherungstochter AGCS bereiten. Wieder einmal lag die Combined Ratio jenseits der kritischen Hundert-Prozent-Grenze. Das Unternehmen trennte sich vom Chef Chris Fischer Hirs. Und Bäte? Er setzt seinen Kurs der Modernisierung unbeirrt fort. Denn: „Wenn man digital sein will, dann muss man die Altlasten wegräumen und vereinfachen. Unser Traum ist, dass die Leute eines Tages genauso zufrieden mit der Allianz sind wie mit Zalando.“

Dass große Versprechungen und finanzieller Erfolg nicht immer bei den Aktionären und Analysten ankommen, beweist aktuell die Talanx. So peilt der niedersächsische Versicherungskonzern für 2019 und 2020 neue Rekordgewinne in Serie an. Die Anleger und Analysten zeigten sich jedoch über die jüngsten Quartalszahlen nur mäßig begeistert. Die angepeilten Jahresgewinne in einer Größenordnung zwischen 900 und 950 Mio. Euro konnten die Erwartungshaltung nicht erfüllen.

Immer für eine Schlagzeile gut ist natürlich auch die Generali. Ein wesentliches Thema ist dabei noch immer der Verkauf der deutschen Lebensparte an die Frankfurter Viridium-Gruppe. Doch scheint sich das Geschäft durchaus auszuzahlen. So trieb der Run-off der deutschen Lebentochter den Überschuss des Konzerns um fast 17 Prozent auf knapp 2,2 Mrd. Euro nach oben. Dass BdV-Vorstandsprecher Axel Kleinlein der Generali gar „Unzuverlässigkeit, Untreue und Flatterhaftigkeit“ vorwarf, perlte an der Unternehmensfassade ab wie Wasser. Vielmehr will Deutschland Chef Giovanni Liverani gar eine „Renaissance des Humanismus“ erkannt haben. So umfassend wie der Begriff, wollen sich die Italiener ebenso als Lifetime-Partner ihrer Kunden verstehen, auch wenn es im Rahmen des Run-offs der Lebensparte an Viridium in der Vergangenheit…