Wolfgang Breuer, Provinzial Nordwest: "Für die Finanzwirtschaft war die nochmals rückläufige Zinsentwicklung im Sommer mit Negativzinsen bei Staatsanleihen dramatisch."
Wolfgang Breuer, Provinzial Nordwest: "Für die Finanzwirtschaft war die nochmals rückläufige Zinsentwicklung im Sommer mit Negativzinsen bei Staatsanleihen dramatisch."
Erschienen in Ausgabe 12-2019Schlaglicht

„Den Fusionsprozess hätten sich alle Beteiligten im Verlauf etwas flüssiger gewünscht"

Wolfgang Breuer, Vorstandsvorsitzender Provinzial Nordwest, über Finanzmärkte, Fusionsvorhaben und gute Geschäfte

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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2019 war ein bewegtes Jahr für den Provinzial Nordwest Konzern. Die prägendsten Erlebnisse aus Ihrer Sicht bitte?

Unser Geschäft läuft in allen Bereichen sehr gut, da können wir wirklich zufrieden sein. Sehr glücklich sind wir über den gelungenen Markteintritt unseres eigenen Startup „andsafe“, einem Digitalen Gewerbeversicherer. Für die Finanzwirtschaft war natürlich die nochmals rückläufige Zinsentwicklung im Sommer mit Negativzinsen bei Staatsanleihen dramatisch. Das beschäftigt uns und alle anderen Firmen in Deutschland massiv. Ferner - darüber haben Sie auch mehrfach berichtet - prüfen wir eine Fusion  mit der Provinzial Rheinland. Der Prozess, so war es auch zu lesen, läuft eher etwas zäh, das hätten sich, glaube ich, alle Beteiligten im Verlauf etwas flüssiger gewünscht.

Trotzdem scheint die Atmosphäre im Konzernumfeld positiv zu sein. Mit welcher Stimmung gehen Sie persönlich ins neue Jahr?

Persönlich: mit einer sehr guten Stimmung, quasi alles im Lot. Sehr optimistisch bin ich was unsere Vertriebe angeht, wir werden ganz operativ auch in den „Stammvertrieben“ immer digitaler - Schritt für Schritt, genau der richtige Weg. Aber natürlich bleibt das Thema schwindende Kapitalerträge, das deutlich auf die Laune drückt. Eine spürbare Änderung der Zinssituation erwartet wohl niemand. Unternehmerisch wird das kommende Jahr wieder vor allem daher aufgrund der Kapitalmärkte eine Herausforderung. Wir können nur hoffen, dass in der Welt- und Wirtschaftspolitik die zahlreichen Krisenherde nicht weiter außer Kontrolle geraten und die Konjunktur noch weiter belasten.

Welche Themen stehen im Fokus?

Im Unternehmen vor allem Personalthemen wie Demographie oder auch  die digitale Transformation im Konzern. Aufgrund der nun endgültig auf hoffnungslos lange Dauer eliminierten Zinsen, werden auch wieder Fragen zur Kompensation der nun nochmals weiter schrumpfenden Erträge neu aufkommen. Kosten werden klugerweise immer ein Thema für ein Management sein, aber es kann eigentlich nur eine Antwort geben: erfolgreicher Vertrieb und Wachstum im Geschäft mit vernünftigen versicherungstechnischen Margen. Wir werden weiter unverändert große Lust haben, zu investieren, nicht nur in digitale Themen, sondern ganz intensiv auch in unsere klassischen Geschäftsbereiche.

Wo sehen Sie die größten politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Risiken mit Rückkopplung auf das Versicherungsgeschäft?

Hier einige Stichworte: überbordende Regulatorik, politisch beeinflusste Kapitalmärkte…