Florian Reuther, PKV: "Erfreulich ist, dass wieder mehr Menschen aus der Gesetzlichen in die Private Krankenversicherung wechseln als umgekehrt. Dieser Wechselsaldo war schon 2018 für uns positiv und hat sich 2019 weiter verstärkt."
Florian Reuther, PKV: "Erfreulich ist, dass wieder mehr Menschen aus der Gesetzlichen in die Private Krankenversicherung wechseln als umgekehrt. Dieser Wechselsaldo war schon 2018 für uns positiv und hat sich 2019 weiter verstärkt."Quelle: PKV
Erschienen in Ausgabe 12-2019Schlaglicht

„Das deutsche Gesundheitswesen wird im demografischen Wandel noch sehr froh sein, dass es die PKV als stabile und wachsende zweite Säule gibt“

Florian Reuther, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung, über Trendwenden und kommende Themen

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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Was lief 2019 gut, was lief weniger gut in der privaten Krankenversicherung?

Erfreulich ist, dass wieder mehr Menschen aus der Gesetzlichen in die Private Krankenversicherung wechseln als umgekehrt. Dieser Wechselsaldo war schon 2018 für uns positiv und hat sich 2019 weiter verstärkt. Offenbar haben wir nach den schwächeren Jahren zwischen 2012 und 2017 eine Trendumkehr geschafft. Unverändert positiv ist die Entwicklung bei den privaten Zusatzversicherungen, die auch 2019 ein stabiles Wachstum vorzuweisen haben: plus 2 Prozent auf nunmehr über 26 Millionen Verträge. Besonders stark ist der Zuwachs bei der betrieb­lichen Krankenversicherung. Dort hat sich die Zahl der Unternehmen, die ihren Mitarbeitern diese Zusatzversicherung anbieten, in nur drei Jahren mehr als verdoppelt. Immer mehr Arbeitgeber nutzen dieses erfolgreiche Instrument, um Fachkräfte zu gewin­nen und sie langfristig an die Betriebe zu binden.

Weniger gut ist aus Sicht der PKV die wachsende Neigung der großen Koalition in der Bundesregierung, die Finanzierung von Infrastruktur pauschal auf die Krankenversicherung zu verlagern. Das betrifft zum Beispiel große Teile der Pflegereform wie die pauschale Förderung von 13.000 Pflegestellen und die Ausstattung von Pflegeeinrichtungen mit Digitaltechnik oder Kinderbetreuung. Diese Verlagerung hat gleich mehrere schädliche Nebenwirkungen – und sie ist auch ordnungspolitisch verfehlt. Eine Finanzierung aus dem Bundesetat würde von allen Steuerzahlern entsprechend ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit getragen. Das wäre auch sozial gerechter. Denn eine Verlagerung auf die Krankenversicherungsbeiträge der gesetzlich Versicherten, die nur von einem Teil der Bevölkerung und dann auch nur bis zur Bemessungsgrenze bezahlt werden, führt zu einer überproportionalen Belastung der kleinen und mittleren Einkommen, während Einkünfte oberhalb von etwa 4.500 Euro Monatsbrutto unbelastet bleiben.

Ärgerlich für die Privatversicherten war die auch 2019 andauernde Blockade der SPD gegen jegliche Verbesserung der PKV-Bedingungen. Wir setzen uns schon seit Jahren dafür ein, die Beitragsentwicklung zu glätten und sprunghafte Erhöhungen zu vermeiden, was durch kleinere Korrekturen möglich wäre. Unter dem Strich sind die Beiträge in der PKV pro Kopf im Schnitt der letzten zehn Jahre übrigens weniger stark gestiegen als in der GKV. Doch während der Anstieg in der GKV Jahr für Jahr in kleinen Schritten nahezu unbemerkt bleibt, haben Privatversicherte oft nach mehreren Jahren…