Erschienen in Ausgabe 11-2019Unternehmen & Management

Mehr als der Markt kann

Smart-Beta-Strategien schließen die Lücke zwischen klassischem passiven Beta und aktiven Alpha-Investments. Der quantitative Anlageansatz eignet sich für Investoren wie Versicherer und Pensionskassen, weil sich neben finanziellen auch ESG-Kriterien sowie Kriterien zur Reduzierung von Kohlenstoff effektiv integrieren lassen.

Von Carmine De FrancoVersicherungswirtschaft

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Smart Beta-Strategien haben in den vergangenen Jahren bei institutionellen Investoren an Bedeutung gewonnen – aus guten Gründen. Rein passive Investmentansätze orientieren sich häufig an traditionellen, nach Marktkapitalisierung oder Anleihevolumen gewichteten Indizes. Das bedeutet, dass die gute Performance eines Einzeltitels automatisch dafür sorgt, dass dieser Titel höher gewichtet wird. Infolgedessen leiden diese Lösungen tendenziell unter einer hohen Konzentration von Einzeltiteln. Sie sind außerdem konstruktionsbedingt Trendfolger. Da die meisten Core-Portfolios aus traditionellen Indizes zusammengesetzt sind, können sich über Smart Beta-Strategien Renditequellen erschließen lassen, die klassische Indizes nicht bieten. Solide Smart Beta-Strategien können die üblichen Markt-Ineffizienzen verringern, da sie auf klar definierte Risikoprämien abzielen, was eine völlig andere Gewichtung von Einzeltiteln zur Folge hat und somit für die nötige Diversifikation von Ertragsquellen sowie für ein widerstandsfähigeres Portfolio gegenüber unterschiedlichen Marktbedingungen sorgt. Smart Beta-Strategien sind nicht nur transparent, sondern auch kosteneffizient. Damit bieten sie gerade für institutionelle Investoren eine günstige Möglichkeit, das Core-Portfolio zu diversifizieren. Denn der streng systematische, regelbasierte  Ansatz  von Smart Beta-Strategien, kombiniert mit einem quantitativen und fundamentalen Research, kann in zweifacher Hinsicht  Mehrwert bieten: die Steigerung der Rendite, allgemein als "Alpha" bezeichnet, sowie die Reduzierung des Risikos (üblicherweise gemessen an der Volatilität oder dem Beta des Marktes), bei gleichbleibender, erwarteter Rendite.

Verringerung von Markt-Ineffizienzen

Faktoren wie „Size“ (Aktien mit geringer Marktkapitalisierung, in der Regel kleinere  Unternehmen) oder „Value“ (günstig bewertete Aktien) können dabei helfen, das Risiko-Ertrags-Profil eines Portfolios über lange Zeiträume zu verbessern und die klar definierten Ziele stets unabhängig von menschlichen Einschätzungen zu verfolgen. Auch historische Performance- und Risikoanalysen zeigen, dass bestimmte Faktor-basierte Portfolios den breiten Markt langfristig übertroffen haben. Im Übrigen mag die Bezeichnung „Smart Beta“ noch relativ neu sein, die Strategien sind es nicht. Lange bevor sie in Produkte verpackt wurden, haben etliche quantitativ orientierte Fondsmanager auf genau diese Ansätze gesetzt. Zu den ältesten Faktoren zählen die schon in den achtziger und…