Erschienen in Ausgabe 11-2019Trends & Innovationen

„Rückversicherer können dazu beitragen, zusätzlichen Schutz bereitzustellen“

Von Dr. Frieder KnüplingVersicherungswirtschaft

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Klimawandel, das Niedrigzinsumfeld, die Bedrohung von Ökosystemen und der Verlust an Artenvielfalt, demografische Veränderungen, medizinischer Fortschritt, gesellschaftliche Änderungen und zahlreiche weitere globale Trends führen zu grundlegenden Veränderungen in ihrem Risikoumfeld. Die folgenden Fälle zeigen beispielhaft, wie sich für Rückversicherer daraus die Notwendigkeit ergibt, die Grenzen der privatwirtschaftlichen Versicherbarkeit im Rahmen ihrer Geschäftsmodelle immer wieder neu auszuloten und zu gestalten.

Vom Klimawandel verursachte Veränderungen in der Häufigkeit und Stärke von extremen Wetterereignissen wie tropischen Wirbelstürmen, Starkregen und Überschwemmungen, Erdrutschen, Dürreperioden und Waldbränden können zu signifikanten Veränderungen in der Schadenlast für eine Vielzahl von Schaden- und Betriebsunterbrechungsversicherungen führen. Aus gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Verantwortung von Unternehmen für von ihnen verursachte Treibhausgasemissionen kann die Gefahr umfangreicher Ansprüche aus Manager- oder Umwelthaftpflichtversicherungen resultieren. Ernteausfallversicherungen können ebenso betroffen werden wie Kreditversicherungen von Unternehmen, die die Energiewende in finanzielle Schwierigkeiten bringt. Aus diesen Veränderungen ergibt sich nicht nur die Notwendigkeit, die Angemessenheit von Rückversicherungsprämien dauerhaften zu überprüfen; sie führen auch zu Fragen zur Versicherbarkeit einzelner Risiken und Regionen zu für die Bevölkerung bezahlbaren Beiträgen. Der systemische Charakter des Klimawandels wird möglicherweise zu einer Schwächung der Ausgleichsmöglichkeiten von Schadenfällen in Versicherungskollektiven führen, und dazu, dass Versicherer wie Rückversicherer regelmäßig überprüfen müssen, in welchem Maße sie schwer prognostizierbaren Ereignissen mit hochkorrelierten Extremverlusten ausgesetzt sind, und wie stark sie die Verlustpotenziale durch Begrenzung der zur Verfügung gestellten Kapazitäten sowie andere Absicherungsmaßnahmen begrenzen sollten.

Für Rückversicherer bedeutet dies, dass sie umfassende Ansätze entwickeln müssen, solche Trendentwicklungen zu prognostizieren und ihre Geschäftsstrategie darauf auszurichten. Eine zentrale Herausforderung dabei ist, die relativ kurzen Zeithorizonte üblicher Schadenmodelle zu erweitern und eine Brücke zu den sehr langfristigen Klimamodellen von Wissenschaft und Forschung zu schlagen. Ebenso ist es notwendig, das Verständnis für die Veränderungen von Ausbreitung und…