Julia Wiens, Finanzchefin Basler: „Wir wollen uns am Markt in unseren Zielsegmenten mit Top positionierten Produkten etablieren.“
Julia Wiens, Finanzchefin Basler: „Wir wollen uns am Markt in unseren Zielsegmenten mit Top positionierten Produkten etablieren.“Quelle: Basler
Erschienen in Ausgabe 11-2019Unternehmen & Management

„Rollenklischees können nur abgebaut werden, indem Gegenbeispiele sichtbar gemacht werden“

Basler-Vorstand Julia Wiens über kluge Führung, Kapitalanlage und schwierige Marktmechanismen

Von Maximilian VolzVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Frau Wiens, Sie sind für die Risikosteuerung und die Kapitalanlage zuständig. Wie schwierig ist es, in Zeiten von Mini-Zinsen den richtigen Mix aus Wagnis und Sicherheit zu finden? Nehmen Sie uns in Ihre Arbeit mit.

Julia Wiens: Auch wenn Risikosteuerung nicht in meiner originären Ressortverantwortung liegt, beschäftigen mich die Fragestellungen regelmäßig in meinen Arbeitsalltag. So sind Überlegungen zum Asset Liability Management schon seit langem ein zentraler Bestandteil in unserem Anlageprozess, insbesondere bei unserem Lebensversicherer mit den langfristigen Verpflichtungen. Unser Mix aus Rendite und Risiko ist passend dazu vergleichsweise stabil und langfristig ausgerichtet, kurzfristige Schwankungen sind nicht der primäre Treiber unserer Anlageentscheidungen.

Allerdings müssen wir wohl von einem länger anhaltenden Niedrigzinsumfeld ausgehen. Vor diesem Hintergrund prüfen wir sehr genau, wo wir unter Abwägung von Rendite und Risiko mehr ins Risiko gehen können. Im Vergleich zu unserer Asset Allocation von vor fünf bis zehn Jahren sind wir z. B. in unserem Portfolio von festverzinslichen Anleihen inzwischen bereit, in längere Laufzeiten, einen risikoreicheren Rating-Mix oder einen höheren Anteil an Unternehmensanleihen zu investieren, während wir im Bereich der Aktien nach wie vor zurückhaltend unterwegs sind.

Wie gehen Sie vor, wenn die EZB sich beharrlich weigert, die Zinsen anzuheben, aber die Anlage in Aktien in Bezug auf Eigenkapitalunterlegung streng behandelt werden?

Das mögliche Anlagespektrum besteht ja nicht nur aus festverzinslichen Wertpapieren und Aktien, sondern bietet deutlich mehr Möglichkeiten zu investieren. Die Branche nutzt die Spielräume, die seit Solvency II bestehen, immer mehr – abhängig von der eigenen Risikotragfähigkeit. So haben wir bereits frühzeitig die Anlage in Immobilien deutlich ausgebaut. Auch hier ist die Eigenmittel-Unterlegung höher als bei festverzinslichen Papieren, jedoch deutlich geringer als bei Aktien und im Rendite-Risiko-Verhältnis sehr interessant.

Könnten Infrastruktur-Investments eine Lösung sein, die Diskussion ist derzeit etwas eingeschlafen.

Grundsätzlich ja. Infrastruktur-Investments passen mit Laufzeiten von länger als 20 Jahren als Ersatz für Rentenpapiere sehr gut zum Zeithorizont des Lebensversicherungsgeschäfts. Allerdings ist diese Assetklasse sehr komplex und um mit dieser Komplexität umgehen zu können, ist ein Mindestmaß an internem Wissen erforderlich. Davor sind kleine…