Chance zum Strukturwandel: 34 Milliarden Euro ließen sich einer McKinsey-Studie zufolge im Gesundheitssektor einsparen, wenn die Digitalisierung Einzug hielte.
Chance zum Strukturwandel: 34 Milliarden Euro ließen sich einer McKinsey-Studie zufolge im Gesundheitssektor einsparen, wenn die Digitalisierung Einzug hielte.Quelle: Continentale
Erschienen in Ausgabe 10-2019Unternehmen & Management

Luft nach oben

Die Digitalisierung dürfte sich nach Einschätzung der Continentalen positiv auf die Kosten- und Beitragsentwicklung in der PKV auswirken. Im Vertrieb allerdings läuft es online nicht rund. Auch die Bevölkerung muss noch überzeugt werden.

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Wir geben Orientierung“ versprach die Continentale 1.100 Vermittlern beim 19. „PKV-Forum“ – und bot viel Diskussion. „Der Einsatz künstlicher Intelligenz für Diagnose und Therapie wird zum normalen Werkzeug in der Medizin werden – wie heute das Stethoskop“, ist sich Professor Dr. Jörg F. Debatin sicher. Seit März 2019 leitet der Radiologe als Chairman den Health Innovation Hub (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit. Fortschritte bei den Bild gebenden medizinischen Verfahren und wissensbasiertes Management von vernetzten, strukturierten Daten wandelten die Medizin immer mehr vom Reparaturbetrieb zu Institutionen für Vorhersage und Prävention. Damit dürfte die Digitalisierung in der Medizin ähnliche Effekte haben wie in der Assekuranz, die sich ja auch vielfach vom Kostenerstatter zum Kümmerer und Verhinderer von Schäden wähnt.

34 Milliarden Euro ließen sich einer McKinsey-Studie zufolge im Gesundheitssektor einsparen, wenn die Digitalisierung Einzug hielte. Dazu bedürfte es des zentralen, digitalen Managements der heute noch unstrukturierten, bei vielen Anbietern verteilten und wenig standardisierten Daten unterschiedlicher Qualität. Wären diese entsprechend aufgearbeitet, entfielen nicht nur teure Doppeluntersuchungen, sondern Medizin würde sehr viel effektiver und effizienter. Denn das Risiko einer Erkrankung oder ihr Verlauf ließen sich für den Einzelnen auf Basis der Daten vieler bestimmen. „Sicherlich wird es anfänglich bei Diagnose und Therapie zu Kostensteigerungen kommen, aber je mehr sich die digitalen Möglichkeiten erweitern, desto besser werden sie zu nutzen sein und die Kosten der Anwendungen sinken. Es ist ein Blick in die Glaskugel, aber ich sehe die Chance, dass die Kosten sinken können,“ sagt Conti-Vorstand Dr. Marcus Kremer.

Digitaler Zwilling

Ein Schlüssel hin zu dieser Medizin ist die elektronische Patientenakte, die ab 1. Januar 2021 alle Krankenkassen ihren Versicherten anbieten müssen. Ziel ist der Aufbau eines digitalen Zwillings jedes Versicherten. Auch wenn bei der patientenbezogenen Datenspeicherung bereits feststeht, dass die Daten im Eigentum des Versicherten sind und bleiben müssen und nur er die volle Verantwortung über die Speicherung und Weitergabe hat, gibt es nicht nur bei Datenschützern noch reichlich (Sicherheits-)Bedenken. Prof. Dr. Ferdinand M. Gerlach fürchtet, dass beispielsweise an Demenz Erkrankte, Sprachunfähige oder -unkundige ihre Gesundheitsdaten nicht vollständig und in Echtzeit speichern lassen, so dass die…