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Erschienen in Ausgabe 10-2019Unternehmen & Management

Fanta-stisch oder doch nur Bitter Lemon?

Selbstbewusst, technikaffin, kundenorientiert – der Digitalversicherer Lemonade setzt an, den deutschen Markt zu erobern. Mit Erfolg?

Von Martin ThalerVersicherungswirtschaft

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Die Tierwelt ist ständig in Bewegung: Unter freundlicher Mithilfe des Menschen überwinden Tiere selbst schwindelerregende Gebirgsmassive oder weite Ozeane und gelangen so in Gegenden, in denen sie vorher nicht zu finden waren. Nicht immer verläuft dieser Ansiedlungsprozess konfliktfrei: Denn die Neuankömmlinge treten mit anderen Arten in Konkurrenz zu Lebensraum und Ressourcen. Sofern die Neuankömmlinge einheimische Arten verdrängen, sprechen Wissenschaftler von „invasiven Arten“. Dass dieser Ausflug in die Biologie seine Entsprechung auch in der Versicherungswirtschaft finden kann, zeigt das Beispiel Lemonade. Seit Juni dieses Jahres ist der amerikanische Digitalversicherer mit Hausrat- und Privathaftpflichtpolicen nun auch auf dem deutschen Markt aktiv und sorgte für ein gewaltiges Echo in der Fach- und Wirtschaftspresse. Ein Start-Up, das den deutschen Versicherungsmarkt aufwirbeln, den deutschen Versicherern das Fürchten lehren werde, war zu lesen. „Das letzte Mal, dass ein neuer Teilnehmer auf dem Versicherungsmarkt für solch einen medialen Wirbel gesorgt hat, war, als Google mit seinem Vergleichsdienst Compare in Großbritannien angetreten ist“, umschreibt Robert Rieckhoff, Leiter des Kompetenzteams Insurance Intelligence bei den Versicherungsforen Leipzig, die Lemonade zuteil gewordene Aufmerksamkeit. Die Befürchtungen, Google könnte selbst ins Versicherungsgeschäft eingreifen, waren groß in der Branche. Auch Lemonade sorgt für Wirbel. „Die strukturellen Herausforderungen, mit denen die Branche konfrontiert ist, werden es den Versicherern, die die vergangenen 100 Jahre dominiert haben, sehr schwer machen, auch in Zukunft zu dominieren“, heißt es selbstbewusst von den Amerikanern. Ist das Selbstbewusstsein berechtigt? Wird Lemonade den deutschen Versicherungsmarkt im Handstreich umkrempeln und zu einer – um im Bild zu bleiben – „invasiven Art“ werden? Oder ist alles nur ein großer Hype?

Beeindruckende Erfolge in den USA

„Ein Grund für den Hype sind sicherlich die Erfolge, die Lemonade in den USA vorzuweisen hat“, glaubt Rieckhoff. Tatsächlich lassen die Zahlen aufhorchen. Rund 500.000 Versicherungen hat Lemonade bislang in den USA abgesetzt und mittlerweile die etablierte Konkurrenz gehörig aufgeschreckt. State Farm, mit einem Umsatz von 87,6 Milliarden Dollar größter Versicherer in den USA, fühlte sich gar dazu genötigt, in einem Werbespot gegen den neuen Konkurrenten und dessen digitale Schadensbearbeitung zu schießen. 
Der Angriff ging nach hinten