Erschienen in Ausgabe 10-2019Politik & Regulierung

Datenanalytisch gesteuert

Eine Übersicht zur Verwendung stochastischer Projektionen bei der Entscheidungsunterstützung in der Lebensversicherung

Von Dr. Philipp KissingVersicherungswirtschaft

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Digitalisierung und Niedrigzinsphase – zwei Themenkomplexe, die derzeit die Agenda vieler Assekuranzen dominieren dürften. Und auch die Steuerung der Lebensversicherung wird unmittelbar durch genau diese Themenfelder geprägt, finden sich doch einerseits kaum die benötigten, hinreichend sicheren und auskömmlichen Renditen am Rentenmarkt, ermöglicht andererseits der stetige Zuwachs an Rechenkapazitäten und datenanalytischem Know-how zukunftsgerichtete Entscheidungen flankiert von Modellergebnissen zu treffen. So ist der Anspruch dieses Artikels, eine Übersicht möglicher Anwendungsfelder im Hinblick auf die Verwendung stochastischer Projektionen im Kontext eines Lebensversicherungsunternehmens zu geben.

Die Besonderheit stochastischer Analysen liegt zunächst in Abgrenzung zur Deterministik darin, nicht die Ergebnisse in einzelnen, vermeintlich realistischen, jedoch regelmäßig sich zukünftig nicht materialisierenden Einzelszenarien zu bewerten, sondern vielmehr auf Basis einer großen Bandbreite an Szenarien (in der Praxis zumeist 1.000 bis 10.000 Sz.) valide Rückschlüsse ziehen zu können. Für die Erzeugung dieser Szenariensätze werden Szenariengeneratoren (Economic Scenario Generator) verwendet, die in Abhängigkeit der Anwendung entweder risikoneutrale oder real-world Szenarien auf Grundlage der Spezifika und erwarteten Dynamiken der Risikofaktoren generieren. Neben der adäquaten Modellierung dieser Risikofaktoren (Zinsen, Spreads, Wechselkurse, Aktienreturns etc.) ist die Kalibrierung anhand geeigneter Finanzinstrumente, die sowohl Aspekte der Markttiefe als auch des Prognosezeitfensters berücksichtigen, von hoher Relevanz für die Prognosegüte. Der Prognosehorizont kann sich von einem kurzfristigen bis zu 100-jährigen Zeitfenster zum Beispiel im Rahmen von Solvenzkapitalbedeckungsrechnungen erstrecken.

Projektionen im Kontext der risikoneutralen Modellwelt erlauben insbesondere die Bewertung von Optionen und Garantien und sind insoweit im Rahmen des Standardvorgehens bei Solvency II von Relevanz. Auch spielen sie im Kontext der marktkonsistenen Unternehmensbewertung und Leistungsbemessung im Sinne des MCEVs (Market Consistent Embedded Value) eine Rolle. Inwieweit der MCEV bei der Lebensversicherung als praktikables Steuerungsinstrumentarium verwendet werden kann, wird divergent beurteilt und gelebt. Unabhängig von einer Gesamtbewertung der Lebensversicherung (v.a. im Rahmen von M&A, Vergütung des Managements und wertorientierter Steuerung) eignen sich…