Erschienen in Ausgabe 10-2019Politik & Regulierung

Rendite-Kick

Kapitaleffiziente Aktienstrategien mit Derivaten

Von Tobias Ultsch und Daniel WeimannVersicherungswirtschaft

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Das Kollektivvermögen der Lebensversicherung wird von festverzinslichen Wertpapieren dominiert. Diese speisen durch ihre regelmäßigen Couponzahlungen die Nettoverzinsung, die Zuführung zu den Rückstellungen für eine Beitragsrückerstattung und somit letztlich die Überschussbeteiligung der klassischen und neuklassischen Lebens- und Rentenversicherungspolicen. Jedoch erweisen sich die Rentenmärkte durch die abermals stark gesunkenen Kapitalmarktzinsen im Euroraum als immer weniger geeignete Investitionen zur Neuanlage freier Mittel im Deckungsstock. So haben selbst 30-jährige Bundesanleihen in den vergangenen Wochen erstmal negativ rentiert.

Des Weiteren sind die deutschen Lebensversicherer aufgrund der langlaufenden Bestandsgarantien besonders zinssensitiv. Weitere Absenkungen der Ultimate Forward Rate (UFR) sind in den nächsten Jahren zu erwarten, was den Eigenkapitalbedarf der Versicherungsunternehmen zusätzlich erhöhen wird. Der mittelfristige Aufbau von Eigenmitteln erfordert renditestarke Assets. Die Versicherungsunternehmen kommen somit nicht umhin, die Risiken im Kapitalanlagebestand zu erhöhen, um weiterhin auskömmliche Risikoprämien abzuschöpfen. Neben illiquiden Anlagen sind hierbei zunehmend Aktien- und Absolute-Return-Strategien sowie Immobilien als Anlageklasse gefragt. Der Wermutstropfen bei Aktien und alternativen Anlagen ist freilich die deutlich erhöhte regulatorische Eigenkapitalunterlegung, die den vorgeschriebenen Stresstests geschuldet ist. Der Einsatz von Derivaten kann dabei helfen, derartige Anlagestrategien mit einem attraktiven Rendite-Risiko-Profil abzubilden und erlaubt darüber hinaus eine kapitalschonende Ausgestaltung. Die Möglichkeit der Investition in derivative Finanzinstrumente wird jedoch sehr stark von rechtlichen Vorschriften mitbestimmt.

Einsatz von Derivaten stark reglementiert

Die grundsätzlichen Regelungen zu derivativen Geschäften für alle Unternehmen sowie inländische Pensionskassen und Pensionsfonds, die für das Erstversicherungsgeschäft zugelassenen sind, finden sich in § 15 Abs. 1 Satz 2 VAG und § 124 Abs.1 Nr. 5 VAG. Hiernach ist der Einsatz von Derivaten nur gestattet, wenn sie einem der folgenden Zwecke dienen:

  • der Absicherung gegen Kurs- und Zinsänderungsrisiken bei vorhandenen Vermögenswerten (Absicherungsgeschäfte)
  • dem späteren Erwerb von Wertpapieren (Erwerbsvorbereitungsgeschäfte)
  • der Erzielung von zusätzlichen Erträgen aus vorhandenen Wertpapieren (Ertragsvermehrungsgeschäfte)

Derivate sind somit…