Quelle: Michael Gaida/ Pixabay
Erschienen in Ausgabe 10-2019Politik & Regulierung

Hochs und Tiefs

Die Standmitteilungen deutscher Lebensversicherer im Transparenz-Check

Von Henning KühlVersicherungswirtschaft

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Die Reform des §155 VVG ist ein Riesenfortschritt für Verbraucher in der Lebensversicherung. Das zeigt die erste große Transparenzstudie zu den Standmitteilungen von Policen Direkt. Weiteres Ergebnis: Die neuen gesetzlichen Anforderungen sind dringend und wichtig, reichen aber noch nicht aus, um die Qualität und die Entwicklung der privaten Altersvorsorge beurteilen zu können. Dass es dafür zusätzliche Angaben braucht, zeigt der genaue Blick auf den Rückkaufswert. Bis zum Inkrafttreten des neuen Gesetzes war es weitgehend den Versicherern überlassen, was sie ihren Versicherten mitteilen. Die Informationspflichten beschränkten sich auf den Stand der aktuellen garantierten Höhe der Überschussbeteiligung. Verpflichtend sind jetzt für alle die aktuelle Todesfall-Leistung, garantierte Ablaufleistung, garantierte Ablaufleistung bei Beitragsfreistellung und der Auszahlungsbetrag bei Rückkauf des Vertrages, für Neuabschlüsse dazu noch die eingezahlten Beiträge. Dass aber damit noch nicht das Ende des Weges erreicht ist, zeigt die exemplarische Analyse der verschiedenen Darstellungen des Rückkaufswertes. Einerseits stellt dessen jetzt obligatorische Angabe eindeutig den größten Fortschritt dar. Andererseits liegt hier immer noch zu viel im Ermessen der Gesellschaften. Warum aber ist der Rückkaufswert so wichtig? Er zeigt dem Versicherten auf einen Blick, was seine private Altersversorgung aktuell wert ist und wieviel er bei Kündigung für seinen Vertrag ausbezahlt bekommt. Im Vergleich mit den Werten aus den Vorjahren kann er fundierte Aussagen über den Vertrag fällen. Freiwillig hatten viele Gesellschaften den Rückkaufswert in der Standmitteilung, wenn überhaupt, oft nur für die Kapitallebensversicherung angegeben. Allein das zeigt, wie dringlich die Reform war. Denn schon lange werden hauptsächlich Rentenversicherungen verkauft, zu denen der Wert dann nur auf Nachfrage zu bekommen war.

Vier Gesellschaften geben Rückkaufswert nicht an

Die aktuelle Auswertung im Zuge der im Frühjahr erstmals veröffentlichten und laufend aktualisierten Transparenzanalyse zu klassischen Lebensversicherungen zeigt: 71 Lebensversicherer geben jetzt den aktuellen Rückkaufswert an. Bei 4 Gesellschaften, die die Gesetzesänderung nicht umgesetzt haben, fehlt diese Pflichtangabe komplett. Zwei weitere melden nur bei Kapitallebensversicherungen und eine informiert ihre Kunden nicht über gebildete Anwartschaften, die den Rückkaufswert beeinflussen. Der aktuelle Umsetzungsstand stellt indes schon…