Abbildung 1 Seggregation der Verträge (Vn…Vertrag, ZJ…Zeichnungsjahr)
Abbildung 1 Seggregation der Verträge (Vn…Vertrag, ZJ…Zeichnungsjahr)
Erschienen in Ausgabe 10-2019Politik & Regulierung

Kassensturz 2.0

Die zentrale Rolle von Annahmen im zukünftigen Kalkulations- und Steuerungsprozess von Unternehmen unter IFRS 17

Von Thomas DockalVersicherungswirtschaft

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Aktuell arbeiten alle börsennotierten Versicherungsunternehmen an der Implementierung des neuen Accounting Standards für Versicherungsverträge IFRS 17, welcher mit erstem Jänner 2022 in Kraft tritt. Der neue Accounting Standard führt eine komplexe, auf zukünftigen diskontierten Zahlungsströmen basierende Bewertungsmethode von Versicherungsverträgen ein und bedingt dadurch eine Vielzahl von Herausforderungen in der Implementierung und Umsetzung. Diese zukünftigen Zahlungsströme werden basierend auf Annahmen abgeleitet. Die Setzung und Handhabung von Annahmen in IFRS 17 stellt einen wesentlichen und kritischen Punkt im Rahmen des IFRS17 Prozesses dar und erfordert implizit einen „Annahmen-Management“ Prozess. Dieser Artikel fokussiert sich auf die Rolle von Annahmen und des Managements von Annahmen im Rahmen der Unternehmenssteuerung unter IFRS 17. Der erste Teil des Artikels beschäftigt sich mit dem Konzept von IFRS 17 anhand des Generell Measurement Models (kurz GMM) und der Rolle von Annahmen.  Nach der Einführung in das Konzept wird auf die Folgen in der Ergebnisanalytik und die Auswirkungen auf den Steuerungsprozess eingegangen.

Die veränderte Bewertung von Versicherungsverträgen

Im Rahmen der Einführung von IFRS17 adaptiert das IASB (International Accounting Standard Board) die Bewertungsmethodik von Versicherungsverträgen auf einen „state of the art“ Bilanzierungsstandard. Der Standard sieht vor, dass das Vertragsportfolio in Subportfolios (Abbildung 1) mit ähnlicher Risikocharakteristik zu unterteilen ist. Diese Subportfolios werden weiterführend in Vertragskohorten (Kohorte wird hier als Zeichnungsjahr verstanden) unterteilt. Die Wertermittlung (Profitabilität) der Versicherungsverträge erfolgt auf dieser Ebene. Wesentlich ist, dass für die Profitabilitätsbewertung die Verträge pro Subportfolio und Kohorte noch in drei Gruppen eingeteilt werden, je nach Profitabilitätserwartung (Verlustbringend ab Beginn, Nicht verlustbringend und Sonstige). Für die Kalkulation sind daher Annahmen für jedes Subportfolio und pro Kohorte (Zeichnungsjahr) bezüglich der zukünftigen Zahlungsströme zu treffen.

Die Bewertungsmethodik sieht vor, dass der Barwert von erwarteten Zahlungsströmen ermittelt wird, die Versicherungsverträge generieren, um somit den Barwert der zu erwartenden zukünftigen Gewinne oder Verluste zu ermitteln. Dabei werden die zukünftigen Zahlungseingänge (z.B Prämieneinnahmen) und Zahlungsausgänge (direkt allokierbare Kosten und Versicherungsleistungen…