Quelle: Ljupco Smokovski / fotolia
Erschienen in Ausgabe 10-2019Märkte & Vertrieb

Chef, ich mach mal kurz die Wäsche

Durch die moderne Kommunikation wird Heimarbeit trotz Festanstellung immer beliebter. Nicht immer spielt aber der Arbeitgeber mit. Wie sieht das in der Praxis der Versicherungsunternehmen aus? Ein Blick auf die Angebote ausgewählter Gesellschaften.

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Deutschland ist auch im Jahr 2019 ein Land der Präsenzkultur. Viel weniger Menschen hierzulande nutzen das Homeoffice als im EU-Schnitt. Meist scheitert der Wunsch nach Heimarbeit an den Arbeitgebern. Deshalb fordern SPD und die Grünen einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Homeoffice. Wie sieht aktuell im Insurance-Bereich aus? „Wir wissen, dass über 80 Prozent der Mitarbeiter von Versicherungsunternehmen grundsätzlich die Möglichkeit zum Mobilen Arbeiten haben“, weiß Dr. Michael Gold, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Versicherungsunternehmen in Deutschland. „Laut unserer TNS-Umfrage arbeiten bereits über 35 Prozent der Mitarbeiter zumindest teilweise von Zuhause – gut drei Viertel möchten dies gerne häufiger tun. Nach unseren Beobachtungen ist der Trend zum Mobilen Arbeiten steigend.“
Auf Branchenebene haben die Sozialpartner das Thema Mobiles Arbeiten auf­gegriffen und am 27. Mai 2019 einen Tarifvertrag (TV MobA) abgeschlossen. Dieser wirkt seit 1. Juli 2019. Der Tarifvertrag regelt Mobiles Arbeiten in Unternehmen, die dazu bisher keine eigenen Regelungen in ihrer Betriebsvereinbarung verankert haben. Er bildet für die Praxis einen wichtigen tariflichen Rahmen für künftige Betriebsvereinba­rungen und dient als Orientierungslinie – ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Wichtige Rahmenbedingungen sind das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit – weder kann der Arbeitgeber den Angestellten zur Mobilen Arbeit verpflichten, noch hat der Mitarbeiter einen Rechtsanspruch darauf – und die individuelle Ausgestaltung der Mobilen Arbeit zwischen Angestellten und Führungskraft. Gold sieht eindeutig eine Win-Win-Situation: „Das Interesse der Arbeitnehmer an Mobilem Arbeiten ist erheblich, vor allem wegen der Zeitersparnis, z.B. durch Wegfall der An- und Abfahrt, und eine bessere Ba­lance zwischen Arbeit und Privatleben. Der Arbeitgeber stärkt durch das Angebot seine Attraktivität und kann zugleich regelmäßig die Servicezeiten erweitern.“

Mobiles Arbeiten ist bei Mitarbeitern angekommen

Schon seit 2016 testet die BGV-Versicherung AG laut Personalchef Jürgen Schmitz das „Fallweise Mobile Arbeiten“ mit einer Pilot-Betriebsvereinbarung, die 2017 in die endgültige Betriebsvereinbarung überführt wurde. Damit gehört man zu einem der ersten Unternehmen der Branche. Bis dahin gab es keine flexible Form des Arbeitens wie Telearbeit, und da der Bedarf dafür vorhanden war, entschloss man sich gleich zum Mobilen Arbeiten als zeitgemäße Variante. In der Testphase…