Quelle: Allianz
Erschienen in Ausgabe 1-2019Schlaglicht

Volle Kontrolle

Aufsichtsräte überwachen ihre Unternehmen mit harter Hand. In Zeiten einer Null-Fehler-Kultur in der Versicherungsbranche ist das dringend nötig. Die Gremien selbst mausern sich zunehmend zu einem stillen Erfolgsfaktor.

Von Alexander KasparVersicherungswirtschaft

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Erst wenn es ein Skandal in die Nachrichtenspalten der Wirtschaftspresse geschafft hat, oder - noch schlimmer - in den Fernsehnachrichten erwähnt wird, rückt das Kontrollgremium des betroffenen Unternehmens in den Fokus der Öffentlichkeit. Wo war der Aufsichtsrat als der Vorstand versagt hat? Welche Qualifikation haben dessen Mitglieder überhaupt? Oder haben Vorstand und Aufseher gar unter einer Decke gesteckt? Eine Krähe hackt doch einer anderen kein Auge aus, heißt es dann in der empörten Debatte gern, verbunden mit der Aufforderung an den Gesetzgeber diese Missstände endlich aufzugreifen. Dabei sind Aufsichtsräte im Jahr 2018 i.d.R. hochqualifiziert, frei von Skandalen und unbestechliche Kontrolleure. Etwas anderes kann sich die Versicherungswirtschaft, gerade unter dem neuformulierten Regime von Solvency II auch gar nicht leisten. Ein machtloses Gremium, welches ergeben die Vorlagen des Vorstandes durchwinkt, sind Aufsichtsräte schon lange nicht mehr, der Wind hat sich gedreht, bzw. er ist auch für die Aufseher selbst recht ungemütlich geworden. Das hat erst einmal auch gar nichts mit der gesetzlichen Pflicht zur Einführung und Umsetzung einer Frauenquote für Aktiengesellschaften zu tun, sondern mit der gestiegenen Verantwortung, die diesem Gremium in den letzten Jahren zugekommen ist. Das hat auch in den gestiegenen Vergütungen seinen Niederschlag gefunden.

Kritik am Cooling-off

Vorstand, Vorstandsvorsitz, Aufsichtsrat: dieser Karriere-Dreisprung galt für Jahrzehnte als selbstverständlich. Gerne wurden verdiente Sprecher des Boards nach Erreichen der Altersgrenze nahtlos in das Aufsichtsgremium berufen, um sich ihre intimen Kenntnisse über das Unternehmen zu sichern, um sie für ihre Verdienste zu „belohnen" oder schlicht um ihnen nach aufreibendem Manageralltag ein „Soft Landing“ zu ermöglichen. Das hat nicht selten für Kritik der Shareholder gesorgt, die sich um die Unabhängigkeit des Aufsichtsgremiums sorgten. Um diesen Vorwurf zu entkräften hat der Gesetzgeber vor zwei Jahren reagiert und für ausgeschiedene Vorstände die sogenannte Cooling-off Periode eingeführt. Als Abklingbecken für ehemalige Unternehmenslenker einerseits und als Schutzzone für dessen Nachfolger gedacht, hat sich in der letzten Zeit die Kritik am Cooling-off verstärkt. Doch den Nachteilen, eben Verlust an Kompetenz, stehen eindeutige Vorteile gegenüber: Der alte Chef kann als Aufsichtsrat den neuen Chef im Vorstand nicht mehr daran hindern, seine neue Strategie umzusetzen, nicht…