Heribert Karch
Heribert KarchQuelle: Metallrente
Erschienen in Ausgabe 1-2019Politik & Regulierung

„Je schneller geschossen wird, desto geringer ist die echte Erfolgschance"

Metallrente-Geschäftsführer Heribert Karch über Fortschritte und Hemmnisse in der Debatte um das BRSG

Von Sabine T. RuhVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Wie sehen Sie das noch relativ neue BRGS?

Heribert Karch: Das BRSG ist aus meiner Sicht ein deutscher Weg, die Chancen für die Verbreitung der betrieblichen Altersversorgung, was dringend notwendig ist, im Rahmen der jüngeren deutschen Rentenpolitik wirklich drastisch zu erhöhen. Das betrifft die Verbreitung als auch die Höhe der Zusagen, die auch teilweise viel zu gering sind. Man kann sich auch andere Lösungen denken. So gibt es international andere Ansätze, beispielsweise in England der reine Staatsinterventionismus, weil dort die Altersarmut wirklich grassiert.

Aber Deutschland hat ein anderes Sozialstaat- und Tarifautonomie-System, dessen hundertjährigen Geburtstag wir gerade feiern. Bei uns ist es so, dass die Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen typischerweise in die Hände der Tarifparteien gehören. Und wenn ich mir die Rechtsnatur der betrieblichen Altersversorgung anschaue, dann ist dies ja aufgeschobene Vergütung und damit Bestandteil des Lohnes. Das heißt: In Deutschland sind die Tarifparteien die prädestinierten Partner, die das Ding steuern können.

Schon in 2001 gab es eine entsprechende Öffnung im Gesetz, die aber nicht genutzt wurde. Dies war damals für die Tarifparteien nicht attraktiv genug. Deswegen hatten wir nun 17 Jahre eine gewisse Stagnation – und nun einen Paradigmenwechsel. Das ist übrigens ein Anschluss an die internationale Entwicklung. Fast überall dort, wo die Betriebsrente Teil von Sozialpolitik ist, ist sie auch eine reine Beitragszusage.

Wo stehen wir derzeit bei der Umsetzung?

Viele Teilnehmer und Akteure der betrieblichen Altersversorgung und erst recht Politikern dauert es mit der Umsetzung zu lang. Doch in vielen Branchen wird viel mehr gedacht als nach außen dringt. Man muss, glaube ich, den Parteien, und zwar auf beiden Seiten, die Chance dazu geben. Denn man muss konzedieren: Der Prozess ist technisch komplex. Dazu braucht man viele Modelle und Sensitivitäten, um überhaupt eine greifbare Vorstellung zu haben. Danach muss man intern eine Diskussion zulassen. Mein Argument lautet: Man gibt mit der Garantiezusage derzeit relativ wenig auf, vor allem, wenn man etwas Gutes bekommt. Das ist aber eine Diskussion, die muss in der Breite geführt werden, sonst kann man die Menschen nicht mitnehmen. Wir reden hier eigentlich über einen riesenhaften kollektiven Lernprozess. Deswegen warne ich vor Schnellschüssen. Je schneller geschossen wird, desto geringer ist die echte Erfolgschance.

Es geht also auch um die