Quelle: Ministry of Defense of Ukraine / flickr
Erschienen in Ausgabe 1-2019Unternehmen & Management

Pulverfass Donbass

Viele ausländische Player kehren dem ukrainischen Versicherungsmarkt den Rücken. Daran ist nicht nur der Krieg schuld. Wer bleibt, hofft auf baldigen Frieden und eine erhöhte Kaufkraft.

Von David GorrVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Blicken wir 105 Jahre zurück: Der deutsche Botschafter in St. Petersburg hatte sein Mobiliar gegen Einbruchdiebstahl versichert und verlangte Schadenersatz, als russische Volksmassen am 5. August 1914 in die deutsche Botschaft eindrangen und plünderten. Der Versicherer verweigerte die Zahlung, weil zwischen Deutschland und dem Russischen Reich seit dem 1. August Kriegszustand herrschte. Bis Mitte des 20. Jahrhundert war es für westliche Politiker und Militärstrategen unvorstellbar, einen Krieg ohne offizielle Kriegserklärung anzufangen. Für Versicherer war es demnach auch einfacher festzulegen, ab wann die Kriegsausschlussklausel greift. Europa erlebte nach dem zweiten Weltkrieg ihre längste Friedenszeit, doch mit dem Fall des Eisernen Vorhangs nahm die Zahl innerstaatlicher Konflikte, Terrorangriffe und Gewalt zwischen Ethnien weltweit rapide zu. Das Völkerrecht hat sich vom Kriegsbegriff gelöst und verwendet zunehmend die Formulierung „internationale bewaffnete Konflikte“ für Aggressionen zwischen Staaten und Gruppierungen. In der Welt-Assekuranz gibt es weder einen einheitlichen Rechtsbegriff für Krieg bzw. einen bewaffneten Konflikt, noch eine einheitliche Formulierung in verschiedenen Bedingungswerken zum Ausschluss des Kriegsrisikos. Dabei geht es um Milliardenschäden, für die die Versicherer nicht haften müssen, falls die Kriegsklausel tatsächlich greift.

Menschen brauchen Lebensmittel und keine Versicherungen

Der Konflikt in der Ukraine ist so ein Fall, bei dem auf den ersten Blick nicht klar scheint, ob der Risikoausschluss die Versicherer von der Leistungspflicht entbindet. Seit April 2014 sind Teile des Donezbeckens Schauplatz des Krieges zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Separatisten. Vorausgegangen waren die Maidan-Proteste, der Sturz des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch und die Besetzung der Halbinsel Krim durch Russland. Die ökonomische Krise und die Angst beherrschen seitdem den Alltag der Menschen. Laut dem ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko blieben etwa 100 Bergwerke und Bankaktiva im Wert von fünf Mrd. US-Dollar auf den Donbass-Territorien liegen, die Kiew nicht kontrolliert. Wegen des Konfliktes habe das Land 15 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts, 25 Prozent der Industrie, 80 Prozent der Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten sowie zehn Prozent seiner Hafeninfrastruktur verloren. Gleichzeitig nahm der Handel mit Russland rapide von 40 auf etwa zehn Prozent ab. Das Erdgas stamme immer noch aus Russland, werde…