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Erschienen in Ausgabe 1-2019Schlaglicht

Es kann nur einen geben

Eine EU-Reform zwingt Versicherer ihre Wirtschaftsprüfer zu wechseln. Damit ist ein harter Wettbewerb unter den Big Four entbrant. Noch verdienen die Prüfer gut,  doch schon bald könnten sie Maschinen ersetzen und den Versicherern viel Geld sparen.

Von Hermann-Josef BergVersicherungswirtschaft

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Von Unternehmen gefürchtet, vom Rest der Gesellschaft als zahlenverrückte Langweiler abgestempelt – um ihr sechstelliges Jahresgehalt jedoch beneidet: Wirtschaftsprüfer.  Ihr detektivischer Spürsinn ist gerade in den Monaten zwischen November und April besonders gefragt. Denn große Kapitalgesellschaften müssen in Deutschland die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr bis Ende März vorlegen, und der Abschlussbericht muss von den Wirtschaftsprüfern kontrolliert werden. Während der busy season wird selbstverständlich auch an Wochenenden gearbeitet, es herrscht Urlaubssperre. Das Arbeitszeitkonto vieler Mitarbeiter wird in den nächsten Jahren auch im Sommer nicht mehr ausgeglichen. Denn sie müssen sich einer Jahrhundert-Reform der EU anpassen: der EU-Abschlussprüfung, die am 17. Juni 2016 in Kraft getreten ist. Die Abschlussprüferrotation verpflichtet alle kapitalmarktorientierten Unternehmen dazu, das Prüfmandat spätestens nach zehn Jahren neu auszuschreiben. Nach 20 Jahren müssen Unternehmen den Prüfer zwingend wechseln. Die Wahl fällt immer noch auf einen der Big Four: KPMG, PricewaterhouseCoopers (PwC), Deloitte und Ernst & Young (EY).  Bisher hielten die meisten Unternehmen der Dax-Familie über Jahrzehnte an einer dieser Gesellschaften fest. So prüfte KMPG die Allianz fast 127 Jahre lang, seit dem Geschäftsjahr 2018 übernahm PwC das Mandat. Wie kommen Versicherer und Prüfer nun mit der neuen EU-Regel zurecht?
Die führenden Unternehmen beider Branchen scheinen sich damit erst einmal abgefunden zu haben. „Die Maßnahme halten wir grundsätzlich für nachvollziehbar“, erklärt die Talanx, „um eine entsprechende Transparenz und objektive Distanz zwischen Wirtschaftsprüfer und prüfendem Unternehmen sicherzustellen.“  Auf der gleichen Wellenlänge „funkt“ die Allianz, gibt aber zu bedenken: „Ob diese Regeln insbesondere das Ziel einer höheren Prüfungsqualität tatsächlich erreichen, gilt es nach geraumer Zeit zu überprüfen. Im Detail gibt es sicher auch Verbesserungsmöglichkeiten – zum Beispiel die Notwendigkeit eines separaten Ausschreibungsprozesses für alle zu einer Konzerngruppe gehörenden Unternehmen des öffentlichen Interesses.“ Das Wort Konzernklausel macht die Runde. „Eher positiv“ sieht auch die R+V-Gruppe das Kernstück dieser Reform: die Zwangsrotation. Ein neuer Prüfer könne etwa mit anderen Prüfansätzen sicherlich die Qualität einer Abschlussprüfung erhöhen und damit das Risiko einer Betriebsblindheit verhindern. Aber dieser Prüferwechsel habe eben…