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Erschienen in Ausgabe 1-2019Märkte & Vertrieb

Durchstarter

Die Ratingagentur Fitch rechnet vor, dass die Lebensversicherer bis 2022 rund ein Fünftel ihres Bestandes mit Assets von rund 180 Milliarden Euro stilllegen werden. Etwa die Hälfte davon könnten darauf spezialisierte Run-off-Firmen abwickeln. Doch das Geschäftprinzip kommt nicht überall gut an.

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Mit Bekanntgabe der Verkaufsabsichten des deutschen Generali-Konzerns veröffentlichte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) zeitgleich eine eigene Pressemitteilung über „Strenge Anforderungen an einen Unternehmensverkauf“. Das war Anfang Juli. Bis zum Redaktionsschluss im Dezember hatte die Transaktion der Generali Lebensversicherung AG an die Viridium-Gruppe das Inhaberkontrollverfahren der Aufsicht nicht passiert. Die Prüfung sei bislang nicht abgeschlossen und mit einem Ergebnis erst 2019 zu rechnen, teilte die Aufsicht auf Nachfrage mit. Mit rund vier Millionen Verträgen und gut 37 Milliarden Kapitalanlagen wäre diese Transaktion der bisher größte externe Run-off (siehe Tabelle) – so er denn zustande kommt. Naturgemäß äußern sich die Aufseher zum speziellen Fall nicht. Auf Nachfrage heißt es: „Bei einem Unternehmensverkauf ist vor dem Erwerb einer bedeutenden Beteiligung an einem Versicherungsunternehmen ein Inhaberkontrollverfahren bei der Bafin einzuleiten. Der Beurteilungszeitraum der Bafin bei einem Inhaberkontrollverfahren beträgt 60 Arbeitstage (bzw. maximal 90 Arbeitstage im Falle einer Hemmung des Beurteilungszeitraums) und beginnt, nachdem die Bafin den Zugang der vollständigen Anzeige bestätigt hat.“ Nach den Erfahrungen der Aufsicht müssen speziell bei größeren Transaktionen allein für die Vervollständigung der einzureichenden Unterlagen mehrere Monate eingeplant werden. Beispielsweise erwartet die Aufsicht bei beabsichtigten Bestandsmigrationen auf ein Zielsystem des Erwerbers den Nachweis der technischen und betrieblichen Umsetzbarkeit in Form einer Machbarkeitsstudie. Dass Versicherer Neugeschäft für den aktiven Verkauf (nicht für Dynamiken) beenden, ist grundsätzlich nichts Neues – und in jeder Branche Gang und Gäbe. Andernfalls müssten alle jemals erfundenen Varianten eines Produktes permanent weiter hergestellt und angeboten werden. Modellwechsel wären damit ausgeschlossen. Versprechen Versicherer, dass sie ihr Neugeschäft nicht einstellen, ist dies oft nur die halbe Wahrheit, weil viele klassische Garantieprodukte allenfalls noch unter der Ladentheke vorgehalten werden. Neu ist nur der Verkauf an darauf spezialisierte Firmen.

Wegmarke Generali

Generali gilt als eine Wegmarke für den weiteren Verlauf in der Lebensversicherung: Entweder wird dieser Deal so etwas wie die mehrfach von Deutschlandchef Giovanni Liverani beschworene „Blaupause für die gesamte Branche“ oder das Ende eines jungen Marktsegments. „Ein…