Erschienen in Ausgabe 1-2019Politik & Regulierung

Angst vor der Zukunft

Eine umfassende Studie zeigt, wer in welchem Umfang für den Ruhestand vorgesorgt hat. Erstmals wird dabei die gesetzliche, wie die private Altersvorsorge erfasst. Die Botschaft: Für die private Vorsorge gibt es noch viel Luft nach oben.

Von Uwe Schmidt-KasparekVersicherungswirtschaft

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Die Studie „Lebensverläufe und Altersvorsorge“ (LeA) erfasst durch eine persönliche Umfrage von knapp 9.500 Personen die realen Erwerbsverläufe und Altersvorsorgeaktivitäten der Deutschen. Sie wurde gemeinsam vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) in Auftrag gegeben. Die 2016 erhobenen Daten stellen auf die Geburtsjahrgänge 1957 bis 1976 ab. Sie zeigen wie die damals 40- bis 44-Jährigen und 55- bis 59-Jährigen bereits für das Alter vorgesorgt haben. Die Studie macht sehr deutlich, dass ohne eine private Vorsorge schon heute ein auskömmlicher Ruhestand für die meisten Menschen nicht mehr finanziert werden kann.

Private Vorsorge stockt Rente deutlich auf

So liegt die höchste durchschnittliche gesetzliche Rentenanwartschaft der Berufstätigen im Alter zwischen 55 und 59 Jahren bei Männern in den alten Bundesländern bei monatlich 1.003 Euro. Aktuell zahlt die DRV für Neurentner ab 2017 pro Monat für Männer im gesamten Bundesgebiet eine durchschnittliche Rente von 1.052 Euro aus. Für Frauen sind es 665 Euro. Auch wenn die Rentenanwartschaft besonders in den letzten Arbeitsjahren überproportional steigt, zeigt die Studie die Notwendigkeit einer privaten Vorsorge. Mit einem zusätzlichen durchschnittlichen privaten Absicherungsanteil von rund 37 Prozent erhöht sich für die Männer-Spitzengruppe dann die erreichte Vorsorge auf 1.601 Euro pro Monat. Demgegenüber kommt die schlechteste Gruppe der rentennahen Jahrgänge, Frauen zwischen 55 und 59 Jahren aus den alten Ländern, auf einen durchschnittlichen gesetzlichen Rentenanspruch von 728 Euro. Mit einer zusätzlichen privaten oder betrieblichen Vorsorge erhöht sich diese Summe gerade einmal auf 996 Euro pro Monat. Hier liegt der Anteil der eigenen Zusatzvorsorge aber auch nur bei knapp 27 Prozent.

Tabelle 1
Tabelle 1Quelle: LEA

Menschen kümmern sich um ihre Rente

Nach Einschätzung von Gundula Roßbach, der Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) ist die Bevölkerung aber auf dem richtigen Weg. „100 Prozent der Menschen bekommt man niemals in die freiwillige private oder betriebliche Vorsorge“, so Roßbach. Trotzdem sieht sie keinen Anlass für eine Diskussion über eine verpflichtende Altersvorsorge. „Die Studie räumt mit dem Vorurteil auf, dass die Menschen sich nicht um ihre Altersvorsorge kümmern würden“, stellt Roßbach fest. In Wirklichkeit hätten sie längst wahrgenommen, dass sie eine ausreichende Altersversorgung nur bekommen, wenn sie selbst etwas tun. Zudem sei…