Anspruchsvolles Investmentumfeld: Marktteilnehmer sind der Ansicht, dass es bei fast allen Risikoaktiva quasi jederzeit eine größere Korrektur geben kann.
Anspruchsvolles Investmentumfeld: Marktteilnehmer sind der Ansicht, dass es bei fast allen Risikoaktiva quasi jederzeit eine größere Korrektur geben kann.Quelle: Fotolia/ elenabsl
Erschienen in Ausgabe 9-2018Unternehmen & Management

Rendite-Run auf vielen Ebenen

Was der Anlagechef eines Versicherungsunternehmens mit seinem Portfolio tun sollte

Von Karl HappeVersicherungswirtschaft

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Woher Rendite nehmen, wenn nicht stehlen? Diese Frage ist ein Dauerbrenner (nicht nur) bei Versicherungsunternehmen. Investitionsentscheidungen werden im aktuellen Marktumfeld nicht einfacher. So sind etwa die Renditen deutscher Staatsanleihen zu ihren jüngsten Tiefständen zurückgekehrt. Die Zinsaufschläge (Credit Spreads) anderer Rentenpapiere haben sich zwar etwas ausgeweitet, bleiben aber historisch eng. Gleichzeitig ist die politische Situation in Europa seit den Wahlen in Italien kompliziert und potenzielle Handelskonflikte mit den USA lasten auf den Aktienmärkten. Versicherungsgesellschaften verfügen mittlerweile nur noch über ein begrenztes Solvenzkapital, um in ihren Portfolios mehr Risiken einzugehen – etwa in Form von Investments in Alternatives. Was sollte der Anlagechef einer Versicherung also mit seinem Portfolio tun?

Diskrepanz zwischen der Fristigkeit von Aktiva und Passiva

Viele Versicherer haben bereits umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um den Asset-Liability-Duration-Mismatch – die Diskrepanz zwischen der Fristigkeit von Aktiva und Passiva also – zu reduzieren und um größere Liquiditätslücken in ihrer Verbindlichkeitsstruktur zu beseitigen. Für viele Versicherer kommt der größte Beitrag der Solvenzkapitalanforderung (Solvency Capital Requirement, SCR) mittlerweile aus dem Bereich der Credit-Spread-Risiken. Das Hauptproblem liegt somit vielfach darin, das Risikokapital in den richtigen Mix von Kapitalmarktrisiken zu investieren. Trotz der jüngsten Spreadausweitung an den Rentenmärkten herrscht vielfach immer noch das Gefühl vor, das Risikokapital-Budget zu stark in den Bereichen Laufzeit und Zinsaufschläge investiert und zu wenig in andere Risiken diversifiziert zu haben. Angesichts der hohen Risikokapitalanforderungen für Aktien und der operativen Komplexität von Alternatives und Immobilien sind viele Versicherer in diesen Anlageklassen strukturell unterinvestiert.

Unseres Erachtens bietet ein disziplinierter Investmentansatz und der Einsatz gezielter Strategien zur Maximierung der Solvenzkapitalrendite auch aktuell noch eine Reihe von Optionen. Um SCR-Risikokapital freizusetzen, schlagen wir erstens vor, die Duration des Firmenkreditportfolios zu reduzieren und die aktuell höheren Renditeaufschläge in den kürzeren Laufzeiten zur Ertragsgenerierung zu nutzen. Zweitens: Um bei möglichst hoher Rendite die Kongruenz der Fristigkeiten und eine Stabilität der Cashflows auf der Verbindlichkeitsseite zu wahren, sollten sich Versicherer im…