Erschienen in Ausgabe 9-2018Köpfe & Positionen

„Versicherungslösungen müssen treffsicherer konzipiert werden“

Von Joachim RukwiedVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Risikosteuerung ist ein elementarer Bestandteil für jeden landwirtschaftlichen Betrieb. Dazu gehört es - neben der Diversifizierung - Rücklagen zu bilden, Preise in der Vermarktung abzusichern, sowie Versicherungen gegen Wetterrisiken und Tierseuchen abzuschließen. Die Dürre in diesem Sommer, aber auch einige andere Extremwetterereignisse der vergangenen Jahre, überfordern die Betriebe in ihrem Risikomanagement. In großen Teilen Deutschlands haben Hitze und Trockenheit die Landwirtschaft stark geschädigt und einzelne Betriebe in Existenznot gebracht. Hier stoßen die Bauern auch bei Versicherungslösungen an ihre Grenzen. Grundsätzlich ist es bei Naturkatastrophen notwendig und auch üblich, dass zunächst die Bundesländer und bei überregionaler Bedeutung auch der Bund mit ad hoc-Hilfen einspringen. Das ist jedoch relativ kompliziert, weil der Ausgleich von Schäden den strengen Regeln des EU- und des nationalen Beihilferechts unterliegt. Zudem kann immer nur ein Teil des Schadens ausglichen werden. Auch für die Landwirtschaft wird hier keine Ausnahme gemacht. Angesichts der mehr als angespannten Lage halten wir gerade in diesem Sommer einen Teilausgleich der Dürreschäden für dringend erforderlich und auch gerechtfertigt.

Unabhängig von der aktuellen Dürresituation sehen wir, dass aufgrund des Klimawandels Extremwetterereignisse und die daraus entstehenden Risiken zunehmen. Deshalb ist es notwendig, die landwirtschaftlichen Betriebe noch besser als bisher in die Lage zu versetzen, mit diesen größer gewordenen Risiken und Krisenpotenzialen umzugehen. Dazu gehört die vom Deutschen Bauernverband schon seit langem geforderte steuerliche Risikoausgleichsrücklage einzuführen – ähnlich dem Forstschäden-Ausgleichsgesetz. Ziel ist es, dass die Betriebe in guten Jahren eigene Reserven aus unversteuerten Gewinnen bilden, die in schlechten Jahren gewinnwirksam aufgelöst werden können. Ein solches Instrument wäre für das Krisenmanagement effektiv und sollte betriebs- und rechtsformenübergreifend möglichst schnell zur Anwendung kommen. Zum Risikomanagement bei der Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse gehören die Preisabsicherung über Vorkontrakte, vertragliche Lieferbeziehungen und Warenterminmärkte. Bei Getreide und Raps sind diese Instrumente bereits weit verbreitet. Auch im Milchbereich nehmen sie immer mehr zu. Die ungenutzten Potenziale sind aber noch lange nicht ausgeschöpft.

Für die Wetterrisiken war in der Vergangenheit die Hagelversicherung die…