Erschienen in Ausgabe 9-2018Unternehmen & Management

Kulturschock

Wenn der Markteinstieg in China zum Albtraum wird

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Alle drängen China auf eine Marktöffnung, alle wollen in chinesischen Markt einsteigen. Doch bei weitem nicht alle haben Glück und Erfolg auf dem chinesischen Markt. Der französische Versicherer CNP ist ein Beispiel dafür. Die CNP hat in 2005 mit China Post eine gemeinschaftliche Lebensversicherungsgesellschaft namens Sino-French Life geründet. Damals wurde die Gründung als eine perfekte Kombination gefeiert: Die Franzosen hätten das Management-Knowhow für das Betreiben einer Lebensversicherung, die China Post könne mit ihrem im ganzen Land verteilten Niederlassungsnetz ideale Points of Sell bieten. Nichts sollte einem großen Erfolg im Wege stehen. Inzwischen ist jedoch die große Nüchternheit eingekehrt. Bereits seit zwei Jahren plagt sich die Sino-French Life mit Solvabilitätsproblemen. In 2016, elf Jahre nach der Gründung, war der Verlust immer noch nicht abgebaut. Dieser häufte sich in jenem Jahr auf umgerechnet 9,3 Mio. Euro gegenüber einem mickrigen gesamten Beitragseinkommen von 8,09 Mio. Euro an. Damals sank die gesamte Solvabilitätsquote bereits auf minus 20 Prozent. Im laufenden Jahr verschlechterte sich die Finanzsituation weiter. Normalerweise soll eine auf dem chinesischen Markt neu gegründete Versicherung nach fünf Jahren ein schwarze Null schreiben können, so Experten.
Um dem gegenzusteuern, versuchte das Gemeinschaftsunternehmen, neue Kapitalgeber zu finden. In 2017 hat man vier neue Investoren gefunden, einer davon sogar aus dem armen  Autonomiegebiet Tibet. Der Autobatterie-Herstelle CALT, der eine Batterie-Fabrik in Thüringen in Deutschland plant, gehört auch dazu. Insgesamt hat man umgerechnet 164 Mio. Euro frisches Kapital gesammelt. Internem Kreis zufolge hat CNP Paris gar kein Interesse mehr an dem einstigen Vorzeige-Unternehmen. Den Grund dafür ist von der französischen Seite nicht zu erfahren. Da die Franzosen bei der Runde der Kapitalerhöhung kein zusätzliches Geld beisteuern wollte, sinkt der Anteil der CNP von ursprünglichen 50 auf 3,33 Prozent.

Der Wirtschaftsmotor schaltet einen Gang höher

Mitte Juli hat das chinesische Nationale Statistikamt die Wirtschaftsdaten des Landes der ersten Jahreshälfte 2018 veröffentlicht. Demnach wächst die gesamte Inlandsproduktion um 6,8 Prozent, etwas mehr als im Vorjahr mit 6,7 Prozent. Damit wurde der seit 2011 begonnene Abwärtstrend gestoppt. „Die wichtigsten makroökonomischen Indikatoren übertrafen alle Markterwartungen und deuten auf eine wirtschaftliche Stabilisierung hin", betonen die…