Erschienen in Ausgabe 9-2018Unternehmen & Management

Im Sinkflug

Das Britische Pfund könnte bald auf Parität zum Euro fallen

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Seit dem Anti-EU-Votum der Briten sind mittlerweile mehr als zwei Jahre vergangen. Seitdem hat das Pfund 15 Prozent an Wert verloren. Mit rund 1,27 Dollar kostet das Pfund derzeit so wenig wie seit über einem Jahr nicht mehr und Fachleute warnen vor weiteren Einbrüchen von mehr als zehn Prozent. Denn ein ungeregelter Brexit scheint immer wahrscheinlicher zu werden. Sie liege bei etwa 60 Prozent, sagte der britische Handelsminister Liam Fox Mitte August. Immer mehr Hedgefonds wetten auf einen Pfund-Absturz und Optionspapiere zur Absicherung von Kursausschlägen finden reißenden Absatz. Gleichzeitig bietet der aktuelle Kurs einen günstigen Einstieg, denn gelingt eine Einigung im letzten Moment - spätestens auf dem EU-Gipfel im Dezember - dann könnte der Pfund laut Experten innerhalb eines Jahres auf 1,36 Dollar zulegen.

Weniger Hypotheken für Grundstücke unter Erbpacht

Britische Banken geben sich bei der Gewährung von Hypotheken auf einer Erbpacht unterliegende Häuser und Wohnungen zunehmend reserviert. Hier könnte sich für nach alternativen Investments suchende Versicherer eine Marktnische auftun. Vier Millionen Wohnungen unterliegen dem mittelalterlich-archaischen System. Erbpachtverträge sehen anfänglich eine zwischen 99 und 999 Jahren liegende Laufzeit vor. Sie spalten das temporäre Nutzungsrecht (leasehold) vom ewigen Grundeigentum (freehold). Letzterer liegt z.B. bei Adelsfamilien wie den Grosvenors (Immobilien für mehr als 10 Mrd. Pfunf), Cadogans, Howard de Waldens und Portmans oder der anglikanischen Kirche. In neuerer Zeit waren Immobilienentwickler wie Wimpeys auch auf den Gedanken verfallen ihre Objekte optisch zu verbilligen. Sie hatten sie lediglich auf leasehold Basis angeboten und den verbleibenden freehold separat dann an Finanzinvestoren verscherbelt. Die leaseholder kassieren nun im Sinne einer langlaufenden Rente die jährliche ground rent und können auch noch jedes Mal kassieren; wenn ein Anbau an das bestehende Gebäude geplant wird. Ferner steht ihnen bei Ende der lease der Heimfall zu.
Bank-Hypotheken gibt es nun meist nur noch wenn die lease-Dauer bei neuen Wohnungen 125 Jahre und bei neuen Häusern 250 Jahre übersteigt sowie die jährliche ground rent unter 0,1 Prozent des Grundstückswerts liegt und allenfalls inflationsadjustiert wird. Die vorsichtigere Haltung spiegelt wohl gleichzeitig generelle Unwägbarkeiten insbesondere des Londoner Grundstücksmarkts wider. Denn der Brexit hat bereits zu einem 15-prozentigen Wertverfall geführt…