Quelle: ThyssenKrupp
Erschienen in Ausgabe 9-2018Schlaglicht

Einsame Wege zur Alleinstellung

Industrieversicherer leben gefährlich. Die Risiken, die sie täglich zu managen haben, sind groß, der Wettbewerb hoch und die Preise seit Jahren unter Druck. Anders als früher haben die Akteure keine Möglichkeit mehr, operative Verluste durch Gewinne am Finanzmarkt auszugleichen. Künftig soll ein besserer Umgang mit Daten Abhilfe schaffen.

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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Eigentlich hat Axa-Chef Thomas Buberl größeren Übernahmen stets einen Riegel vorgeschoben. Eigentlich. Denn vor rund einem halben Jahr änderte der Manager seine Meinung und sorgte damit gekonnt für ein strategisches Überraschungsmoment. Mit dem Kauf des Industrie- und Rückversicherers XL zeigte der Top-Manager, wie schnell aus einem „eigentlich“ konkrete Management-Maßnahmen entstehen können. „Die Transaktion ist eine einmalige strategische Gelegenheit“, erklärte Buberl seinen Coup damals. Dafür ließ der erste deutsche Chief Executive Officer des französischen Versicherungsgiganten satte 15 Mrd. US-Dollar springen. „Der Preis sieht sehr hoch aus, selbst nach Synergieeffekten“, erklärten etwa die Analysten des Bankhaus Lampe. Nicht zu hoch. Zumindest für Buberl. Er sieht die Chance, zum Weltmarktführer für Schadenversicherungen im kommerziellen Industrieversicherungsbereich aufzusteigen. Gleichwohl bedeutet der Deal weitaus mehr als nur den größten Zukauf der Axa seit 2006. Er ist nicht nur Spitze gegen den großen Wettbewerber Allianz, sondern auch Ausrufezeichen an den gesamten Markt, der immer kleiner zu werden scheint. Offiziell hatte Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender des Münchener Versicherers zwar zu Berichten geschwiegen, dass man ein möglicher Käufer für XL Catlin sein sollte. Nach Angaben von Bloomberg hatte jedoch auch der größte europäische Insurance-Player ein Auge auf den Versicherer aus den Bermudas geworfen. Ob zu teuer oder nicht, mit der Übernahme rückt Axa in die Elite der größten Industrieversicherer weltweit auf. Dass die Franzosen mit Blick auf schallende Übernahmen keine Ausnahme sind, zeigte 2015 schon der schweizerisch-amerikanische Versicherungskonzern ACE, der für 28 Mrd. Dollar den traditionsreichen Rivalen Chubb schluckte. Der Schaden- und Unfallversicherer hoffte mehr wohlhabende Privat- und Firmenkunden zu gewinnen, auf die sich die 1882 gegründete Chubb konzentriert hat. Deshalb sollte der fusionierte Konzern auch dessen Namen tragen.

Wettbewerb hoch, Preise unter Druck

Der Industrieversicherungsmarkt durchlebt gegenwärtig eine riskante Rotation. Nirgendwo wird scheinbar so um neue Märkte und Marktanteile gerungen wie im Corporate-Solutions-Business. Das dürfte auch an Schlagworten wie dem Internet der Dinge oder Industrie 4.0, aber auch an technischen Meilensteinen wie dem autonomen Fahren, Smart Home, E-Health, Augmented Reality oder Robotics liegen. So radikal wie selten zuvor verändert sich das Leben und Arbeiten der…