Quelle: © Rodrigo Soldon / flickr.com
Erschienen in Ausgabe 9-2018Unternehmen & Management

Die Ruhe nach dem Sturm

Selbst die vergangene Hurrikan-Saison führte nicht zu höheren Marktpreisen. Vor dem Reinsurance-Treffen in Monte Carlo suchen Rückversicherer verzweifelt nach neuen Einnahmequellen. 

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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In keiner allzu attraktiven Verfassung präsentieren sich vor dem 2018er Monte Carlo Rendez-Vous die Rückversicherungsmärkte: trotz hoher Katastrophenbelastungen m vergangenen Jahr ist es bislang kaum gelungen, Preisanpassungen im Markt durchzusetzen. Per Mitte 2018 soll es in vielen Fällen gar wieder Ratenabrieb gegeben haben, Willis Towers Watson spricht von bis zu 7,5 Prozent. In diesem Jahr sind die Schäden überschaubar. Unwetter, Stürme, Erdbeben und andere Naturkatastrophen haben in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich weniger Kosten verursacht als bislang üblich. So lagen die Gesamtschäden durch entsprechende Ereignisse im ersten Halbjahr 2018 bei rund 33 Mrd. US-Dollar. Etwa die Hälfte davon war versichert und schlug mit etwa 17 Mrd. US-Dollar zu Buche, berichtete Munich Re. Teuerstes Schadenereignis war das Wintersturm „Friedrike“ mit rund 2,2 Mrd. US-Dollar. Es scheint als käme die Branche aus dem derzeitigen Jammertal allzu niedriger Raten, zu hoher Combined Ratios und somit zu niedriger Eigenkapitalverzinsungen nicht heraus. 
Das Segment ist trotz aller Capital-Management-Ansätze (hohe Dividenden, Aktienrückkäufe, Erwerb von Konkurrenten) nach wie vor überkapitalisiert. Hinzu kommt die Konkurrenz von nicht-Rückversicherern (etwa Pensionsfonds), die sich immer noch in großem Umfang bei Risikoverbriefungen, Sidecar-Rückversicherern und ähnlichen Konstrukten beteiligen und damit klassischen Rückversicherungsschutz substituieren. Gem. Artemis standen per 30.6.2018 standen gemäß Artemis 35,3 Mrd. US-Dollar an Cat Bonds und Insurance Linked Securities offen, im 2. Quartal 2018 war ein Rekordvolumen von 5,15 Mrd. Dollar neu emittiert worden, aber nur 1,6 Mrd. Dollar waren rückzahlbar geworden.

Brexit mischt die Karten neu

In den Bereichen, für die eine extern-objektive Modellierung angeboten wird (etwas von RMS oder Air WW) hat die Risikoverbriefung nun weitgehend die klassiche Rückversicherung abgelöst. Sie weist folgende Vorteile auf:

  • Jederzeit handelbare Risikoübernahmen, auch nach Schadeneintritt
  • Standardisierte Risiken, insbesondere im Fall von parametrischen Deckungen
  • Marktteilnehmer müssen nicht zugelassene und bestens geratete Rückversicherer sein

Einerseits stellten die neumodischen Risikotransferinstrumente eine Konkurrenz zur klassichen Rückversicherung dar, andererseits aber bedienen sich ihrer auch die etabliserten Rückversicherer als Surrogate für Retrozessionen. Während das Cat-Geschäft zunehmend im Wege der Risikoverbriefungen…