Erschienen in Ausgabe 9-2018Trends & Innovationen

Das Kerngeschäft brummt

Europas Versicherer machen keine großen Sprünge, aber überraschen mit guten Halbjahreszahlen

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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ie großen Versicherer Europas sind auf Kurs, ihre geplanten Jahresgewinne zu erreichen. Die 11,5 Mrd. Euro stehen weiterhin als Ergebniszielmarke bei der Allianz fest, bei Axa etwa sechs Mrd. Euro, bei der Munich Re sind es 2,1 bis 2,5 Mrd. Euro. Die Generali hat im ersten Halbjahr sogar so viel Gewinn erwirtschaftet wie seit zehn Jahren nicht mehr. Der Nettogewinn stieg um neun Prozent auf 1,33 Mrd.  Euro. Ein Grund dafür waren die unerwartet hohen Erlöse aus dem Verkauf zahlreicher Landesgesellschaften, etwa in Belgien und den Niederlanden. Insgesamt rechnet der italienische Versicherer daraus nun mit einem Geldsegen von 1,5 Mrd. Euro – 500 Mio. mehr als veranschlagt. Der bis zu 1,9 Mrd. Euro schwere Verkauf der deutschen Lebensversicherungs-Tochter Generali Leben an die Run-off-Plattform Viridium ist darin noch gar nicht enthalten. Auch die Zurich überraschte mit einem kräftigen Gewinnplus. Dieser stieg in den ersten sechs Monaten um 19 Prozent auf 1,79 Mrd. Dollar. Der Sparkurs von Konzernchef Mario Greco zeigt Wirkung. Von den angepeilten 1,5 Mrd. Dollar Kostensenkungen hat Zurich bislang 900 Mio. Euro realisiert. Die Prämieneinnahmen wuchsen im Zeitraum Januar bis Juni um drei Prozent auf 27,13 Mrd. Dollar. Die Kernsparte Schadenversicherung, die für zwei Drittel der Prämieneinnahmen steht, verbesserte die Rentabilität. Teure Großschäden blieben dieses Jahr bislang aus.

Sondereffekte als Zünglein an der Waage

on diesem Umstand profitierte auch die Talanx und steigerte ihr operatives Ergebnis um 7,7 Prozent auf 1,2 Mrd. im ersten Halbjahr – der Nettogewinn sank jedoch um drei Prozent wegen einer höheren Steuerlast. Unzufrieden ist Vorstandschef Torsten Leue jedoch mit der Feuer-Sparte, die für ein Fünftel der Beiträge in der Industrieversicherung steht, und eine Schaden-/Kostenquote von 119 Prozent aufweist. Die Industrieversicherung geriet dadurch in der Versicherungstechnik mit 28 Mio. Euro in die roten Zahlen nach einem Plus von 32 Mio. Euro im Vorjahr, und der Beitrag zum Konzerngewinn hat sich auf 53 Mio. Euro mehr als halbiert.  Leue kündigte deshalb für die Sparte eine kräftige Ratensteigerungen von durchschnittlich 20 Prozent an.
Eine unerwartet höhere Schadenlast beklagte indes der weltweit größte Rückversicherer. Vor allem ein Bauschaden an einem Wasserkraftwerk in Kolumbien traf die Munich Re hart. Insgesamt musste der Dax-Konzern für Großschäden 605 Mio. Euro bezahlen, fast zweieinhalb Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Dabei birgt die zweite…