Erschienen in Ausgabe 8-2018

Wachstum mit Kehrseiten

„Die nächste Krise wird sich wesentlich direkter auf Haushalte und Unternehmen auswirken, anstatt zuerst bei Finanzinstituten

Von Ludovic SubranVersicherungswirtschaft

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Eigentlich sind die Prognosen gut. Eigentlich. Aber trotz dieser ermutigenden Entwicklung der Weltwirtschaft mit sehr gesunden Wachstumsprognosen des weltweiten BIP für 2018 und 2019 von mehr als 3%, scheinen die Befürchtungen bei Investoren, Risikomanagern, Versicherern und Zentralbanken wieder zu wachsen. Sie alle unterstreichen die Kehrseite der Wachstums-Medaille im Zuge des „billigen Geldes“ durch die expansive Geldpolitik: eine sehr schnell steigende Verschuldung des Unternehmenssektors nach der globalen Finanzkrise. Die Verschuldung von Unternehmen hat sich seit 2007 mehr als verdoppelt und hat heute 11,7 Billionen US-Dollar (USD) erreicht. Besorgniserregend ist, dass dadurch alle drei Säulen der letzten globalen Erholung gefährdet sind: sowohl die starke Koordinierung der Finanzpolitik als auch innovative und synchronisierte Geldpolitikansätze und die Verringerung der Risiken in den Bilanzen der Banken. Als Spiegelbild der Ära nach der globalen Finanzkrise spielen die USA also wieder eine führende Rolle, diesmal allerdings mit negativem Einfluss.

„America First“ vs. Freihandel

Die "America First"-Politik hat die globale Abstimmung der Wirtschaftspolitik der führenden Wirtschaftsnationen deutlich verschlechtert. Protektionistische Initiativen, der Vorwurf des Multilateralismus im Umgang mit Handels-, Wirtschafts- und Sicherheitsfragen haben das Verhältnis der entwickelten Volkswirtschaften ernsthaft beeinträchtigt und den Eindruck verstärkt, dass die Welt multipolarer wird. Angesichts der radikalen Neuausrichtung der US-Außenpolitik muss man bei einer erneuten globalen Rezession in den kommenden Monaten mit deutlich größeren Schwierigkeiten bei der Suche nach abgestimmten Lösungen rechnen. Die führenden Wirtschaftsnationen sind wesentlich schlechter aufgestellt, um gegen die nächste globale Krise zu kämpfen. Das bedeutet, dass ein solches Ereignis wahrscheinlich vergleichsweise stärkere und länger anhaltende negative Auswirkung haben wird als ähnliche Ereignisse in der Vergangenheit.

Die Entscheidung von Präsident Trump, ein Steuersenkungsprogramm in Höhe von 1,4 Billionen US-Dollar in Verbindung mit Handelszöllen zu starten, zeigt seine Absicht, das Inlandswachstum zu stärken mit lediglich minimalen Nutzen für die traditionellen Handelspartner. Dieser destabilisierende Einfluss der USA auf den Freihandel akzentuiert die Schwierigkeiten einer gemeinsamen europäischen Haltung bei der Lösung globaler Herausforderungen  wie Einwanderung, Umwelt…