Erschienen in Ausgabe 8-2018Unternehmen & Management

Ruhe vor dem Sturm

Der Handelsstreit zwischen der EU und den USA könnte bald neu aufflammen. Wieder zielt US-Präsident Trump auf eine deutsche Schlüsselbranche: die Autoindustrie.

Von Eric BonseVersicherungswirtschaft

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Es ist ruhig geworden im Zollstreit mit den USA, jeden-falls in Europa. Während sich Amerikaner und Chinesen mit wechselseitigen Strafzöllen überziehen und einen schwer kontrollierbaren Handelskrieg riskieren, setzt die EU auf De-Eskalation. Die Brüsseler Antwort auf die einseitig und - aus EU-Sicht - rechtswidrig verhängten Sonderzölle auf Stahl und Aluminium fiel moderat aus, der gefürchtete Bumerang-Effekt auf dem Stahlmarkt blieb bisher aus. Doch die Ruhe ist trügerisch. Denn US-Präsident Donald Trump holt bereits zum nächsten Schlag aus. Diesmal geht es um den Automobilsektor, eine Schlüsselbranche vor allem in Deutschland, aber auch in Frankreich und in Italien. Er wolle keine Mercedes-Limousinen mehr auf der 5th Avenue in New York sehen, sagte Trump schon vor seiner Wahl zum Präsidenten. Nun könnte er ernst machen - mit neuen Willkür-Maßnahmen.Trump hat bereits eine Untersuchung angeordnet. Dabei geht es um die bizarre Frage, ob die Einfuhr von Autos der nationalen Sicherheit schadet. Er könnte importierte Fahrzeuge mit einem zusätzlichen Zoll von 25 Prozent belegen, heißt es in Washington. Die EU-Kommission in Brüssel legte prompt ein Gegen-Gutachten vor. Die Zölle würden vor allem die US-Wirtschaft treffen, heißt es darin.

Schäden in Milliardenhöhe möglich

Zwar würde sich der unmittelbare Schaden in Grenzen halten - die Brüsseler Behörde beziffert ihn auf 13 bis 14 Milliarden Dollar. Die Wirkung dürfte durch die zu er-wartenden Gegenmaßnahmen der US-Handelspartner in Europa und China aber erheblich verstärkt werden. Schätzungen gingen bis zur Summe von 294 Milliarden Dollar, warnt die Kommission. Das wären 19 Prozent aller US-Exporte. Die unmissverständliche Botschaft aus Brüssel: Trump geht ein hohes Risiko ein, wenn er es auf einen Handelskrieg anlegt. Das sehen viele amerikanische Firmen offenbar ähnlich. „Die Regierung droht die wirtschaftlichen Fort-schritte zu untergraben, für die sie so hart gearbeitet hat", warnte der Präsident der US-Handelskammer, Tom Donohue, in Washington. Ziel der USA müsste ein freier und fairer Handel sein, so Donohue: "Aber so nicht.“

Eine Zeitlang sah es so aus, als habe Trump die Botschaft verstanden. Vom amerikanischen Botschafter in Berlin, Richard Grenell, kamen Entspannungs-Signale. Grenell lud die Chefs der größten deutschen Autokonzerne zum Gespräch und verkündete, die USA könnten auf die neuen Zölle verzichten, wenn auch die EU ihrerseits die - teilweise höheren - Zölle auf Autoimporte aus Amerika streiche…