Quelle: Munich re
Erschienen in Ausgabe 8-2018Schlaglicht

„Wir entwickeln völlig neue digitale Geschäftsmodelle"

Joachim Wenning, Vorstandsvorsitzender der Munich Re, spricht über Effizienz, Wachstumspotenziale und digitale Programme

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

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Herr Wenning, Sie haben im April vergangenen Jahres die Verantwortung für den Munich Re-Konzern übernommen. Marktbeobachter sehen in Ihrer strategischen Linie eine klare Handschrift, so auch die Versicherungswirtschaft. Wie bewerten Sie persönlich das bislang Erlebte – emotional und geschäftlich?

Wichtig war mir von Anfang an, den Fokus auf das Geschäft zu erhöhen und den Gewinnrückgang der Vorjahre zu stoppen. Dies ist gelungen.

„Wenning ist im CEO-Amt mittlerweile auf Betriebstemperatur. Seine Sinne sind geschärft für neue Geschäftspotenziale, sein Kurs getrimmt auf Erfolg“, das haben wir im April über Sie geschrieben. Würden Sie dem zustimmen?

Die Bewertung meiner Arbeit überlasse ich gerne Ihnen. Richtig ist allerdings, dass es mir ein Anliegen ist, die Sinne des gesamten Konzerns für neue Geschäftspotentiale zu schärfen. Die digitale Transformation und das Internet der Dinge eröffnen auch für uns ganz neue Geschäftsmöglichkeiten. Hier erweitern wir, oft zusammen mit Partnern, unser Leistungsspektrum ganz erheblich.

Das übergeordnete Ziel bis 2020 besteht nun darin, die jahrelange Gewinnerosion zu stoppen und die magische Marke von 2,8 Mrd. Euro zu erreichen. Das wäre rund eine halbe Milliarde mehr als sich die Munich Re für das laufende Jahr vornimmt. Ambitioniert, aber wie zu stemmen?

Kurz gesagt: Durch neues Geschäft. Sowohl in der Rück- als auch in der Erstversicherung sehen wir Potenzial für profitables Wachstum – und dieses Potenzial heben wir. Entsprechend werden unsere beiden Geschäftsfelder, Rückversicherung und ERGO, den Gewinnzuwachs jeweils zur Hälfte leisten. Was wir übrigens nicht tun werden, ist, das ausgewiesene Ergebnis auf Kosten unserer starken Bilanz zu verschönern. Im Gegenteil. Der Ergebniszuwachs kommt allein aus profitablem Neugeschäft.

Wachstum ist das Eine, nachhaltige Projekte in Strategie und Praxis das Andere. Was ist hier aus Ihrer Sicht prioritär zu behandeln?

Weniger Aufwand, mehr Geschäft – Schmerzmittel wie Stellenkürzungen gehören hier wohl untrennbar dazu. Erstmals ist auch das Münchener Headquarter betroffen. Was versprechen Sie sich von dieser Maßnahme und welche Rolle spielt dabei die digitale Transformation?

Wir haben erkannt, dass wir in der Rückversicherung sowie bei Konzernfunktionen Strukturen und Abläufe vereinfachen oder gar streichen können, ohne damit das Geschäft zu beeinträchtigen. Entsprechend sind wir dabei, den Automatisierungsgrad zu erhöhen, Planungsprozesse zu vereinfachen und Strukturen anzupassen. Das…