Vorsicht geht vor: Bei der Bewertung des Fahrverhaltens blicken die Versicherer üblicherweise auf Brems-, Lenk- und Beschleunigungsbewegungen.
Vorsicht geht vor: Bei der Bewertung des Fahrverhaltens blicken die Versicherer üblicherweise auf Brems-, Lenk- und Beschleunigungsbewegungen.Quelle: Fotolia/ maho
Erschienen in Ausgabe 8-2018Unternehmen & Management

Immer schön in der Spur bleiben

Telematik-Tarife stellen Versicherer und Vermittler vor offene Fragen

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Für Eigenheim- oder Garagenbesitzer ist die Autohaftpflichtversicherung oft günstiger. Auch minderjährige Kinder oder umweltschonendes Verhalten (z.B. der Besitz einer Bahn-Card) werden in einigen Haftpflichttarifen belohnt. Die Kraftfahrtversicherten haben sich an derartige Tarifmerkmale gewöhnt – und hinterfragen sie ob ihrer statischen Wahrhaftigkeit nicht mehr. Das ist anders bei den neuen Telematik-Tarifen. Hier wird das Fahrverhalten bewertet und ist Gegenstand für einen möglichen Rabatt auf die nächste Prämie. Und diese neue Bewertung löst Diskussionsbedarf aus, wie sich beispielsweise unlängst beim Münsterischen Vermittlerforum der Forschungsstelle für Versicherungswesen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zeigte.

Bewertung des Fahrverhaltens komplex

Die Forschungsstelle hat sich die bisherigen Telematik-Tarife des deutschen Marktes angeschaut. „Alle Tarife sind ähnlich aufgebaut, wenn auch im Wortlaut anders“, so der wissenschaftliche Mitarbeiter Rechtsanwalt Philipp Koch. Noch werde von keinem Anbieter die Prämienhöhe in Echtzeit errechnet. „Ein schlechter Tag oder gar eine schlechte Woche“ verderbe dem Kunden also nicht die Versicherungsprämie. Üblicherweise wird das Fahrverhalten in Form von Scores bewertet und damit hat der Versicherte dann für die nächste Versicherungsperiode die Chance, einen Rabatt zu erhalten. Ausgangsbasis ist der Grundlagentarif, der mit einer Anzahl der über 60 harten und weichen Tarifierungsmerkmalen aus der analogen Welt der Versicherungsmathematiker kalkuliert wird. Nur der Rabatt wird mit den neuen Merkmalen aus der Telematik-Welt berechnet. Mehr als den Grundlagentarif zahlt der Versicherte auch bei einer schlecht bewerteten Fahrweise nicht. Laut Koch ist die Telematik oft nur ein Baustein und kann gekündigt werden, so dass dann der „normale Grundlagentarif“ wieder greift.  Bei der Bewertung des Fahrverhaltens stellen die Versicherer üblicherweise auf Brems-, Lenk- und Beschleunigungsbewegungen ab. Diese können dann mit GPS-Daten zum Standort oder auch mit weiteren Daten wie etwa zum Wetter, der Tageszeit etc. verknüpft werden. Standardvorgänge wie das Auffahren auf eine Autobahn oder das Einparken lassen sich mit diesen Daten laut Koch identifizieren und geben ihm zufolge auch bereits Aufschluss darüber, ob es sich um einen geübten Fahrer handelt oder nicht. Über die Auswertung solcher Standardvorgänge könnten die Versicherer künftig Fahrprofile entwickeln, die dann nicht nur Basis des Rabatts, sondern…