Quelle: Debeka
Erschienen in Ausgabe 8-2018Märkte & Vertrieb

„Eine überhöhte Solvenzquote kann nicht das Ziel sein“

Thomas Brahm, Vorstandsvorsitzender der Debeka, über Manndeckung, Garantien und den richtigen Zugang zum Kunden

Von Maximilian VolzVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Sie sind seit ein paar Wochen der Chef der Debeka. Hatten Sie einen Moment in dem sie dachten; "Wow, jetzt bin ich wirklich der Chef" – was hat überwogen, der Respekt vor der Aufgabe oder die Vorfreude?

Thomas Brahm: Mit dem Respekt vor der Aufgabe konnte ich mich in der monatelangen Vorbereitungszeit anfreunden, er ist allerdings immer noch da und groß. Ich hatte aber tatsächlich den von Ihnen beschriebenen Moment, daheim auf der Terrasse. Mein jüngster Sohn hat mich gefragt, ob sich die Beförderung auch auf sein Taschengeld auswirken würde. Es ist tatsächlich ein Unterschied, ob man sich gedanklich mit der Situation eines Vorstandsvorsitzenden beschäftigt oder ob es dann auf einmal tatsächlich eintritt. Das Gefühl ist einerseits mit vielen Erfahrungen verbunden, die ich in meiner zehnjährigen Vorstandstätigkeit gemacht habe und andererseits natürlich mit den politischen und internen Herausforderungen meiner Aufgabe.

Zu den Herausforderungen kommen wir gleich noch. Können Sie dieses Gefühl präzisieren?

Man ist schon ein wenig stolz auf seine Leistung und hat gleichzeitig eine gewisse Erwartungshaltung an sich selbst. Ich habe im August 1982 bei der Debeka angefangen und mich vor kurzem gedanklich noch mal in die Zeit zurückversetzt. Damals hätte niemand, mich eingeschlossen, damit gerechnet, dass ich einmal da  hinkommen würde, wo damals Herr Greisler und später Herr Laue saßen.

Was war ihre erste Amtshandlung?

Da muss ich überlegen… Ich habe zwei Gespräche mit weiblichen Nachwuchsführungskräften über ihre berufliche Zukunft geführt und wie das Unternehmen sie unterstützen kann. Wir greifen auch bei der Besetzung von Führungspositionen durch Frauen in erster Linie auf unsere eigenen Mitarbeiterinnen zurück.

Das ist doch einmal eine sinnvolle erste Amtshandlung. Sie sind jetzt seit zehn Jahren Vorstand, da ist es normal, dass man manche Dinge selbst anders geregelt hätte als es schlussendlich im Vorstand entschieden wurde. Welche Aspekte wollen Sie in naher Zukunft anstoßen oder ansprechen?

Es gibt bei sechs fest in ihren Dezernaten verankerten Personen immer Aspekte, die man alleine leicht anders geregelt hätte als im Vorstandskollektiv. Wichtig ist, dass die Richtung stimmt, ansonsten zerbricht ein Gremium. Durch intensive Diskussion schaffen wir es immer, letztlich  eine gemeinsame, gefestigte Meinung zu haben, die wir alle nach außen vertreten können. Wenn Sie das nicht machen, wird der überstimmte Einzelne den gemeinsamen Weg…