Mehr abgeklärt als aufgeklärt: Die Staatsanwaltschaft moniert, dass der beurlaubte Audi-Chef Rupert Stadler nicht alle Fragen beantworte.
Mehr abgeklärt als aufgeklärt: Die Staatsanwaltschaft moniert, dass der beurlaubte Audi-Chef Rupert Stadler nicht alle Fragen beantworte.Quelle: © ITU Pictures / www.flickr.com
Erschienen in Ausgabe 8-2018Politik & Regulierung

Im Visier der Justiz

Die Schuldfrage bei den Prozessen gegen VW-Manager entscheidet über die Zukunft der D&O-Sparte

Von Maximilian Volz und David GorrVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Vom Vorstandsbüro direkt in die Einzelzelle: Die Festnahme von Rupert Stadler ist ein Schock für die gesamte deutsche Autoindustrie. "Der Vorstandschef einer großen Automarke in U-Haft: Das gab es noch nie", äußerte sich VW-Vorstandschef Herbert Diess. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine neue Facette des Dieselskandals ans Licht kommt. Seit dem 3. September 2015, als der Volkswagen-Konzern den Einbau einer Betrugssoftware bestätigte, sind etliche Top-Manager des 12 Marken umfassenden Auto-Riesenreichs zurückgetreten, darunter der ehemalige CEO Martin Winterkorn am 23. September. Kurz danach wurde der Vorstand für technische Entwicklung der Audi AG, Ulrich Hackenberg, beurlaubt. Sein Millionengehalt wurde im weiterhin bezahlt - eine Art Schweigegeld vermuten Insider.
Ist es möglich, dass Stadler nichts von den Machenschaften wusste? Die Zahl der Beschuldigten bei Audi ist inzwischen auf 20 gestiegen. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt seit Ende Mai wegen Betrugs sowie mittelbarer Falschbeurkundung gegen Stadler. Die Ermittler hatten Stadler dabei abgehört, wie er mit einem Porsche-Mitarbeiter sprach und die mögliche Beurlaubung eines Audi-Mitarbeiters thematisierte. Dieser Mitarbeiter soll umfassend ausgesagt und Stadler belastet haben. Die Ermittler entscheiden sich für die Festnahme, weil sie Sorge hatten, Stadler könnte Zeugen beeinflussen oder Dokumente verschwinden lassen. Fachbegriff: Verdunkelungsgefahr. 

Eine Haftungssumme für mehrere Vergehen

Wird Stadler nachgewiesen, dass er von der Manipulation wusste, dann steht er ohne Versicherungsschutz da. Der Mutterkonzern Volkswagen hat alle seine Top-Manager bei einem Versicherungskonsortium von etwa 20 bis 30 Firmen – darunter auch die Allianz und Zurich – mit einer Directors- and Officers-Versicherung (D&O), ausgestattet. Nach dem Abgas-Skandal wird der Konzern allerdings nur einen Bruchteil der Milliardenkosten von der Managerhaftpflichtversicherung zurückholen. Die Deckungssummen der meisten Dax-Konzerne liegen unter 500 Mio. Euro. "Sehr viel größere Schadenssummen gibt der Markt derzeit nicht her”, betont Diederik Sutorius, Geschäftsführer des Kölner D&O-Versicherers VOV GmbH. In den meisten Fällen verweigern die Versicherer ohnehin die Überweisung der Schadenssumme. Es folgen lange juristische Auseinandersetzungen, schließlich wollen die Anbieter möglichst keine Fakten schaffen, auf die sich andere Unternehmen berufen könnten.  "Sollte sich der Betrugsvorwurf bewahrheiten, bleibt…