Erschienen in Ausgabe 8-2018Unternehmen & Management

Grenzenlos

Unbeeindruckt vom möglichen Handelskrieg öffnet China seinen Versicherungsmarkt

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Die von der chinesischen Regierung versprochene weitere Marktöffnung nimmt jetzt Kontur an. Ende Juni hat die Kommission für Entwicklung und Reform zusammen mit dem Handelsministerium eine sogenannte Negativ-Liste für die Investitionen aus dem Ausland verabschiedet. Die Liste benennt die Branchen bzw. die Teilbranchen, in denen die Ausländer nicht oder nur beschränkt investieren dürfen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass außer den Branchen der Negativ-Liste ausländisches Kapital überall investiert werden kann. Der Liste nach dürfen Ausländer derzeit ihre Investitionen in Personenversicherung bis zu höchstens 51 Prozent der Anteile an einem Unternehmen tätigen. Ab 2021 fällt diese Einschränkung vollständig weg. Dann können ausländische Investoren Personenversicherungen im alleinigen Besitz ohne chinesische Beteiligung gründen. Die Regierung hebt die Veröffentlichung der Liste als einen konkreten Schritt für die weitere Marktöffnung hervor und erklärt – auf den Protektionismus von Trump anspielend – dass die Öffnung der chinesischen Märkte stetig und unumkehrbar sei. China könne von der Öffnung schließlich nur profitieren, in seiner Wettbewerbsfähigkeit und im Kennenlernen von Know-how aus dem Ausland, sagt der Chef der Zentralbank Yi Gang.

Swiss Re erobert Nischenmärkte

Swiss Re Corporate Solution beherrscht anscheinend die Blue Ocean Strategie meisterhaft, zumindest in China. Angesagt ist das Engagement in der Versicherung von Windkraftwerken und Elektroautos auf dem chinesischen Markt. In der Tat stehen die meisten Windkraftwerke in China. Das Wachstum ist auch enorm. 2017 wurden neue Anlagen mit einer gesamten Stromerzeugung von 30,65 Mio. Kilowatt gebaut. Bis 2020 soll nach dem Plan insgesamt 275 Gigawatt Strom von Windkraftwerken geliefert werden. Die Versicherungssummen etlicher Windkraftwerkprojekte bewegen sich ohne Weiteres in Milliarden-Höhe. Anderseits ist die inländische Expertise nicht ausreichend vorhanden. Daher wittert Swiss Re Corporate Solution eine riesige Geschäftschance auf dem Gebiet, das noch ein Blue Ocean ist.
In die gleiche Richtung geht die Einschätzung der Schweizer im Hinblick auf Chancen auf dem chinesischen Elektroauto-Markt. So macht China 2017 mit 770.000 verkauften E-Autos die Hälfte des weltweiten Umsatzes aus. Eine Steigerung von ca. 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings ist die Versicherung von Schäden durch defekte Batterien und Software noch völliges Neuland für die einheimischen Versicherer. Die Schweizer…