Was nicht passt, wird passend gemacht: Nicht jedes Unternehmens-Gemisch harmoniert. Erfolgreiche Megadeals gibt es selten.
Was nicht passt, wird passend gemacht: Nicht jedes Unternehmens-Gemisch harmoniert. Erfolgreiche Megadeals gibt es selten.Quelle: ivofet / Fotolia
Erschienen in Ausgabe 8-2018Schlaglicht

Die Chemie spielt keine Rolle

Der Durck effizienter und digitaler zu werden, zwingt Versicherer zu Fusionen und Zukäufen um jeden Preis

Von Michael KlüttgensVersicherungswirtschaft

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Der Appetit auf Merger und Akquisitionen (M&A) in der Versicherungsbranche ist weiterhin sehr stark ausgeprägt. Was vor vielen Jahren aus den Startlöchern nicht herauszukommen schien, ist seit rund zwei Jahren eine Entwicklung hin zu immer neuen und größeren M&A-Deals geworden. Verantwortlich für die Entwicklung der letzten Jahre ist nicht nur der allgemeine Konsolidierungstrend – Versicherungs-M&A kennt noch viele weitere Treiber.
Das niedrige Zinsniveau und die langfristigen, hohen Zinsversprechen machen der Lebensversicherungsbranche zu schaffen. Neben den Problemen mit dem Altgeschäft erfahren die meisten Lebensversicherer in Deutschland zudem eine Wachstumsschwäche – nicht wenige Gesellschaften unabhängig von Größe oder Rechtsform sind in den letzten Jahren sogar geschrumpft. Versicherer sind auch deshalb gezwungen, ihre Effizienz zu steigern, um die zwangsläufig geringen Renditen ihrer Kapitalanlagen sowie fehlende Skaleneffekte zu kompensieren. Mehr und mehr Häuser entscheiden daher, das Neugeschäft ganz aufzugeben oder das Altgeschäft an einen professionellen Abwickler zu veräußern. De facto befinden sich bereits mehr Versicherungsbestände im Run-Off als öffentlich wahrgenommen. Dabei haben sich verschiedene Run-Off-Modelle im deutschen Versicherungsmarkt etabliert: Viele Gesellschaften bieten das klassische Geschäft mit Lebensversicherungen heute nicht mehr an, sondern haben Produkte mit alternativen kapitalschonenderen Garantiekonzepten im Programm – der alte Bestand läuft aus. Weitreichender ist die Entscheidung für den vollständigen Run-Off eines Versicherers, bei dem eine rechtliche Einheit kein Neugeschäft mehr schreiben wird. Hierbei sollte man zumindest zwei Fälle unterscheiden: Wenn das Versicherungsunternehmen Teil einer Gruppe ist, dann kann die Run-Off- Entscheidung die alleinige Konsequenz haben, dass das Neugeschäft in einer anderen Gesellschaft gezeichnet wird. Der Vertrieb muss sich entsprechend umstellen, doch behält er eine vergleichbare Produktpallette. Wenn eine Gruppe entscheidet, gar kein Lebensversicherungsgeschäft mehr zu schreiben, dann sind die Konsequenzen für den Vertrieb ungleich gravierender.
Weniger spektakulär, aber nicht minder interessant, sind Modelle, bei denen ein Versicherer die Vertragsverwaltung für andere Versicherer übernimmt, wenn er diese kostengünstiger darstellen kann. Noch weitreichender ist sicherlich die Entscheidung zum externen Run-Off, d.h. einen im Run-Off befindlichen Bestand oder…