dsf
dsfQuelle: © Deutsche Börse AG
Erschienen in Ausgabe 8-2018Schlaglicht

Der Markt hat immer Recht

Aktienrückkäufe werden oft verteufelt. Dabei haben diese viele Vorteile - für Unternehmen und Aktionäre.

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Als Autokanibalismus bezeichnet man eine Selbstverzehrung durch einen Organismus, die nicht notwendigerweise dessen Ende zur Folge hat. Auch Aktenrückkäufe durch Versicherer kann man unter diesem Aspekt betrachten. Sie reduzieren zwar das einer Organisation anhaftende, Sicherheit verheißenden Eigenkapitalspeck, verhelfen ihm aber möglicherweise zu grösserer Vitalität. In einer Zeit, in der es gilt die Kapitalisierung einer Organisation sorgfältig zu kalibrieren und in einem Zielkorridor zu halten (etwas 170 bis 190% der Mindestsolvabilität SCR) gilt sowohl eine Zielunterschreitung (mit der Folge der Rating-Herabstufung oder zur Abwendung erforderlich werdenden eilenden Kapitalerhöhung) als auch ein Überschießen als Sünde. Letzteres wird einem Versicherer als ineffizienter Einsatz der knappen Ressource Eigenkapital angekreidet, die noch dazu die Gefahr in sich birgt, zu einer auf das Geschäftsvolumen unvorsichtig erhöhenden Zeichnungspolitik zu führen.
Häufig führen auch die in den Anstellungsverträgen des Managements enhaltenen den Bonus bestimmenden Erfolgsparameter zu Rückkaufprogrammen, die die Rendite auf das verbleibende Eigenkapital sowie den Nettowert je Aktie bzw. den Börsenkurs wesentlich verbessern können. Ein Rückkauf von Aktien verknappt das börsliche Angebot und ist somit geeignet den Kurs dauerhaft zu stützen.

Anteilseigner profitieren nicht immer

Dank der Ende 2017 verabschiedeten US-Steuerreform kaufen amerikanische Unternehmen so fleißig eigene Aktien zurück wie kaum je zuvor. Apple will 100 Mrd. Dollar dafür ausgeben. Doch auch andere Gesellschaften wie Alphabet, Amgen, Cisco und Oracle haben im Juni Rückkaufprogramme angekündigt.In welcher Weise ein sich überkapitalisiert glaubender Versicherer sein Eigenkapital herabsetzen kann, richtet sich nach dem auf ihn anzuwendenden Aktienrecht. In Betracht kommen insbesondere über die Börse zu lancierende Aktienrückkaufprogramme,  share buy-back. In einem ersten Schritt erwirbt das Unternehmen im Rahmen eines vom Verwaltungsrat und eventuell auch von der Aktionärsversammltung gebilligten Planes einen nicht unerheblichen Teil der bislang emittierten Aktien, vielleicht irgendwo zwischen ein und fünf Prozent.
Im Sinne eines Aktivtauschs treten diese Aktien zunächst an die Stelle der aufzuwendenden Liquidität. Allerdings sind derartige treasury stocks weder dividendenberechtigt noch gewähren sie Stimmrechte in der Hauptversammlung. In einem zweiten Schritt werden diese Aktien dann für kraftlos erklärt…