Check-up mit klaren Richtwerten: In der PKV muss eine Innovation wissenschaftlich anerkannt, zugelassen und medizinisch notwendig sein. Hürden wie den Genehmigungsvorbehalt durch den Gemeinsamen Bundesausschuss in der GKV gibt es nicht.
Check-up mit klaren Richtwerten: In der PKV muss eine Innovation wissenschaftlich anerkannt, zugelassen und medizinisch notwendig sein. Hürden wie den Genehmigungsvorbehalt durch den Gemeinsamen Bundesausschuss in der GKV gibt es nicht.Quelle: Allianz Deutschland
Erschienen in Ausgabe 8-2018Märkte & Vertrieb

Am Puls des Fortschritts

Was die PKV für die Innovationsmotorik im Gesundheitswesen leistet

Von Dr. Timm GenettVersicherungswirtschaft

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Deutschlands internationaler Spitzenplatz in der medizinischen Versorgung drückt sich auch im Zugang aller Patienten, egal ob gesetzlich oder privat versichert, zum medizinischen Fortschritt aus. Dafür sorgt wiederum eine spezifische Innovationsmotorik im dualen System von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung (GKV und PKV). Denn der Wettbewerb zwischen einem sozialstaatlichen und einem privatwirtschaftlichen Sicherungssystem führt zu Versorgungsunterschieden. In einem gemeinsamen Versorgungssystem sind diese Unterschiede ab Entstehungszeitpunkt transparent und damit (gegenüber den Versicherten, der Öffentlichkeit und der Politik) begründungspflichtig. Übernimmt nämlich bei medizinischen Innovationen ein Versicherungssystem eine „Vorreiterrolle“, muss sich im Systemwettbewerb das jeweilig andere Versicherungssystem mit eben dieser Innovation auseinandersetzen und gegebenenfalls reagieren.

Die PKV ist dabei ein Innovationsmotor. Denn die schnelle und häufig überproportionale Finanzierung medizinischer Innovationen durch die PKV ist die Regel. In der GKV indes ist der Zugang zu Innovationen häufig langsamer und erfolgt die Finanzierung häufig auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Strukturell lässt sich die PKV-spezifische Innovationsmotorik mit zwei Kategorien erfassen:

  • Abwesenheit von Hürden: in der PKV muss eine Innovation wissenschaftlich anerkannt, zugelassen und medizinisch notwendig sein.  Hürden wie den Genehmigungsvorbehalt durch den Gemeinsamen Bundesausschuss in der GKV kennt die PKV nicht. Durch diese Hürden kann sich der Zugang zu einer neuen Behandlungsmethode in der GKV um Jahre verzögern.
  • Refinanzierungsbasis: Die PKV honoriert Innovationen in der Regel deutlich besser, weil sie höhere Preise nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) und Zahnärzte (GOZ) zahlt beziehungsweise keine Festbetragsregelungen für Medikamente oder Verordnungsrestriktionen kennt. Durch die PKV entsteht damit eine Mischfinanzierung, die den Anbietern von medizinischen Innovationen ein betriebswirtschaftlich vertretbares Investment erleichtert beziehungsweise dieses überhaupt erst ermöglicht.

Je nach medizinischem Versorgungsbereich - ambulant, stationär, Arzneimittelbereich - kommen diese beiden Kategorien, der schnelle Zugang der Privatversicherten zu Innovationen und die überproportionale Refinanzierung durch die PKV, unterschiedlich zum Tragen.  

Ambulanter Versorgungsbereich

Bei Einführung von Innovationen ins System der GKV nimmt die Institution des…