Erschienen in Ausgabe 7-2018Unternehmen & Management

Vertrauenssache

Versicherer öffnen sich der Blockchain-Technologie

Von Prof. Dr. Volker Gruhn und Prof. Dr. Gottfried Koch und M.Sc. Florian WesslingVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Blockchain-Technologien bieten ein Höchstmaß an Sicherheit. Dadurch erhöht sich das Vertrauen der Akteure in Blockchain-basierte Anwendungen. Auf Blockchain-Technologien basierende Applikationen werden die Eintrittsbarrieren von Kunden zu diesen Anwendungen durch das gesteigerte Vertrauen senken und zudem deren Anbietern Marktvorteile in einem von erhöhtem Misstrauen geprägten Umfeld verschaffen. Schlagzeilen zu Datenlecks und unerlaubtem Datensammeln bilden eine starke Motivation, die Möglichkeiten der Datenselbstverwaltung und dem nutzerbestimmten, selektiven Teilen von Daten mit Hilfe der Blockchain wahrzunehmen. Vertrauen in die Sicherheit der Daten ist die entscheidende Voraussetzung sowohl bei der absehbaren erweiterten Digitalisierung von Prozessen als auch bei der Verbreitung von neuen Funktionalitäten, auch und insbesondere auf mobilen Endgeräten. Zu denken ist hierbei z.B. an appbasierte In- und Exkassofunktionalitäten, wie TWINT, WeChatPay oder Alipay, Verbindungen zwischen Krankenversicherern und digitalisierten Patientenakten, wie sie von e-health Protagonisten entwickelt werden, sowie – last but not least – dem einfachen Abschluss von neuen Versicherungsprodukten, welche sich an den Bedürfnissen und Gepflogenheiten der Generation Y orientieren. Neben der erhöhten Sicherheit sind eine generell höhere Abwicklungsgeschwindigkeit sowie die Möglichkeit einer weitergehenden Automatisierung, z.B. durch Smart-Contracts, als Vorteile zu erwähnen. Diese Vorteile führen zu sinkenden Transaktionskosten sowie einer Steigerung der Effizienz.

Die eine Blockchain gibt es nicht

Blockchain-Technologien werden heute häufig mit dem Internet der 90er Jahre verglichen. Wie damals die Internetphilosophie eine völlig andere Denkweise erforderte, verlangt heute die technisch auf Protokollebene dezentral organisierte Blockchain-Architektur eine komplett neue „Blockchain-by-Design“-Denkweise.  Der Paradigmenwechsel der dezentralen Blockchain-Technologien bietet einen offenen Horizont, dessen Grenzen sich aus der heutigen Sicht nur schwer abschätzen lassen. Die Zukunft dieses neuen Ansatzes lässt sich aus der Gegenwart nicht wirklich beurteilen. Die eine Blockchain gibt es nicht. Blockchain-Technologien lassen sich in vielen verschiedenen Ausprägungen, Implementierungen und konkreten Umsetzungen entwickeln. Jede Variante bietet ganz unterschiedliche Vor- und Nachteile. Es muss daher systematisch analysiert werden, ob überhaupt – und wenn ja, wie – für einen speziellen…