Erschienen in Ausgabe 7-2018Köpfe & Positionen

Aktuare schalten auf Angriff

Von Sascha Schulz

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Nach 50 Jahren findet ein Weltkongress der Aktuare (ICA) wieder in Deutschland statt. „Innovation ‘Made in Berlin’ schafft Jobs und forciert Innovation”, konstatiert Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen zur Eröffnung. Das passt doch. Rund 2.100 internationale Gäste nehmen im wichtigsten Event der Versicherungsmathematiker in diesem Jahr teil. Den Anspruch der Vereinigung macht DAV-Präsident Roland Weber klar: „Wir sind das Rückgrat der modernen Versicherungsbranche.” Modernisierung in Form von allgegenwärtiger Digitalisierung macht allerdings auch nicht vor Aktuaren halt. „Solvency II war eine Job-Maschine für uns”, so Weber. „Ich teile nicht die Befürchtung, dass 50 bis 70 Prozent der Versicherungsjobs durch Digitalisierung entfallen werden.” Auf die richtige Orientierung komme es an. Weil reine Algorithmen natürlich zunehmend von Computern umgesetzt werden können, sieht sich der Berufsstand in Zukunft immer stärker auch als Produktdesigner und Partner für Risikomanagement in Startups und etablierten Konzernen. „Wenn Computer stärker Routineaufgaben übernehmen, bleibt eben mehr Zeit zur Entwicklung von Konzepten und Ideen.” Zum Beispiel, um reine Digital-Companies bei Risikomanagement-Aufgaben zu unterstützen.

Die Wurzeln, die in den 1890ern für den Berufsstand der Aktuare hierzulande gelegt wurden, lassen sich auf die Gothaer Lebensversicherung zurückführen, freut sich IAA-Präsident Masaaki Yoshimura. Der Japaner begrüßt die Gäste auf deutsch. Er umreißt die Herausforderung, eine Brücke zwischen Forschung und Praxis zu bauen, um künftig Unsicherheiten und Risiken noch treffender einzuschätzen.

Indes hält Alf Neumann, Vorsitzender des DAV-Lebensversicherungsausschusses, hält auch im Niedrigzinsumfeld attraktive Altersvorsorgemodelle für möglich. Für die Lebensversicherer sieht er keine dramatischen Warnsignale, appelliert aber, das Sparverhalten der Kunden stärker zu unterstützen. Dafür sei Transparenz erforderlich. „Altersvorsorge muss für den Einzelnen aber Planungssicherheit bieten.” Aktuare unterstützen deshalb die Initiative des BMAS für eine säulenübergreifende Renteninformation. Sie sehen sich als Bindeglied zwischen Versorgungsberechtigten und Versicherern. Bekanntermaßen nehmen Aktuare diese Schlüsselposition auf der Produktseite ein, indem sie bei der Konzeption von Produkten helfen und Basisinformationen wie z.B. Sterbetafeln bereitstellen. Bei diesem Einfluss ist es ein besonderes Anliegen für den DAV, den Begriff “Aktuar” in der…