Erschienen in Ausgabe 7-2018Trends & Innovationen

Knapp vorbei ist auch daneben

Kommentar von Redakteur Michael Stanczyk

Von Versicherungswirtschaft

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Wenn ich bei lockeren Gesprächsrunden im Freundes- und Verwandtenkreis nach meiner beruflichen Tätigkeit gefragt werde, begleitet mich – vorausahnend, dass der Austausch im späteren Verlauf zäh werden könnte – immerwährend ein leichtes Unbehagen. Ich antworte Redakteur. Die erste Reaktion darauf fällt trotz manch wenig schmeichelhafter Imagerankings positiv aus und ist zumeist irgendwo zwischen Anerkennungen und Wertschätzung angesiedelt. Schließlich sei das Berufsfeld hoch anspruchsvoll, vielfältig und die Verantwortung gegenüber der Leserschaft immens – gerade in einem so schnelllebigen Geschäft wie dem Journalismus. Dann aber endet mein persönlicher Mini-Höhenflug mindestens genauso plötzlich wie er begonnen hat.

Auf die unweigerlich folgende zweite Frage, in welchem Ressort ich denn genau tätig sei, antworte ich: im Wirtschaftsbereich, genauer gesagt der Versicherungswirtschaft. In diesem Moment scheinen meinen Gesprächspartnern die Gesichtszüge geradezu zu entgleiten. Das positive Erstaunen geht binnen Sekundenbruchteilen in regelrechte Enttäuschung über. Die Adjektive, die fernab des Daily Business zwischen Risiko und Rendite im Zusammenhang mit der Branche fallen, zirkulieren im Spektrum zwischen trocken, konservativ, langweilig. Dass Akteure wie Allianz und Ergo zu den bekanntesten zählen, überrascht kaum. Die Kuriosität der Begründungen dafür umso mehr. Demnach verdankt die Allianz besonders der gleichnamigen Arena im Münchener Stadtteil Fröttmaning ihren Ruf. Und Ergo? Das waren doch die, die in Budapest einmal so heftig gefeiert haben. Boshafte Bemerkungen, die die Realität touchieren, aber keinesfalls abdecken.

Den Versicherern tut man damit sicherlich Unrecht. Eine ganze Branche auf unglückliche Einzelfälle herunterzubrechen, kann nicht richtig sein.

„Wäre Versicherungsschutz sichtbar, würde man ihm auf Schritt und Tritt begegnen“

Tatsächlich haben die Unternehmen hinter den gläsernen Fassaden als Stabilitätsanker viel zu bieten für Wirtschaft und Gesellschaft. Ohne ihren Schutz wäre eine stabile Ordnung kaum denkbar. Der GDV bringt es plastisch präzise auf den Punkt. „Mit über 433 Millionen Verträgen übernehmen die deutschen Versicherer Risiken im Alltag nahezu jeden Bürgers und Unternehmens. Wäre Versicherungsschutz sichtbar, würde man ihm auf Schritt und Tritt begegnen. An jedem Auto, an jedem Gebäude der Stadt und in jedem Unternehmen.“ Mit Beitragseinnahmen in Höhe von 197,8 Mrd. Euro gehören die Insurance-Player hierzulande zu den…