Erschienen in Ausgabe 7-2018Unternehmen & Management

Eine Frage der Größe

Wo Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit besser als Aktiengesellschaften abschneiden

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Während Aktiengesellschaften naturgemäß ihr Wachstum über den Kapitalmarkt finanzieren können, sind die Möglichkeiten der Fremdkapitalaufnahme für Versicherungsvereine (VVaG) recht begrenzt. Die Folge: Versicherungsvereine sparen seit jeher ihre Gewinne – was auch nicht verwunderlich ist, fehlen ihnen doch die renditehungrigen Aktionäre. Und ihre so erarbeitete Substanzstärke preisen die Vereine auch gerne laut. „Wenn sich das Ausschüttungsverhalten der Versicherungsaktiengesellschaften in der Zukunft so fortentwickelt, dann wird die Substanzstärke der Versicherungsvereine zunehmend an Bedeutung gewinnen. Bei Versicherungsaktiengesellschaften haben die Gewinnausschüttungen immer mehr an Bedeutung gewonnen, was teilsweise durch eine Reduzierung der Reservierungsquote finanziert wurde und darüber hinaus zu einer Verringerung der Solvenzmittel geführt hat. Bei Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit wird das Erfordernis der durchgängigen Innenfinanzierung offensichtlich mit Erfolg betreiben“, schreibt beispielsweise Gothaer-Chef Dr. Karsten Eichmann in einer aktuellen Imagebroschüre seines Hauses.
Die Besonderheit der Rechtsform herauszustellen, ist für Versicherungsvereine nicht untypisch. VVaGs sind quasi die Genossenschaften der Assekuranz. Die „echte“ Rechtsform eG ist für Versicherungen nicht zulässig. Betont wird der Gemeinschaftsgedanke – denn die Kunden des VVaG sind zugleich auch die Mitglieder und damit die Miteigentümer. „All unsere Entscheidungen richten sich danach, unseren Mitgliedern ein Höchstmaß an Leistungen zur Verfügung zu stellen“, umwirbt beispielsweise die Debeka ihre Kunden. Auch bei über sieben Millionen Mitgliedern/Kunden gehe es um den Selbsthilfegedanken. Für die Debeka heißt das beispielsweise eine umfassende Absicherung zu Beiträgen, die aufgrund geringerer Kosten niedrig sind. Ist das alles Selbstlob ­– oder halten die Behauptungen einer Überprüfung mit Zahlen stand? Einer Kurzanalyse für die SCR-Quoten 2017 von Meyerthole Siems Kohlruss Gesellschaft für aktuarielle Beratung GmbH (MSK) zufolge haben die deutschen Schaden- und Unfallversicherer ihre SCR-Quoten 2017 insgesamt um sieben Prozentpunkte auf durchschnittlich 277 Prozent verbessert. Die Solvenzquote der Versicherungsvereine ist mit durchschnittlich 420 Prozent höher als die der Aktiengesellschaften mit 225. Von den 164 untersuchten, unter Bafin-Aufsicht stehenden Erstversicherern hätten drei Unternehmen bei der SCR-Quote enorm zugelegt, andere aber bis zu 100…