Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht: „Wenn Kunden eine Versicherung abschließen, wollen sie das gute Gefühl haben, das Richtige getan zu haben“, berichtet Rhetorik- und Verkaufstrainer Ingo Vogel.
Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht: „Wenn Kunden eine Versicherung abschließen, wollen sie das gute Gefühl haben, das Richtige getan zu haben“, berichtet Rhetorik- und Verkaufstrainer Ingo Vogel.Quelle: ks_studio
Erschienen in Ausgabe 7-2018Märkte & Vertrieb

Ehrlich währt am längsten

Warum Lügen in der Versicherungsbranche keinen Platz haben

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Wer lügt, bekommt eine lange Nase wie Pinocchio. Sogar ein Baron wurde danach benannt. Gelogen wurde zu allen Zeiten, auch wenn jedes Kind weiß: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ Schon Platon wetterte gegen die Rhetorik, die Redekunst, die durch jede Menge Metaphern und andere Stilmittel den Zuhörer umschmeichelt und manipuliert. Darf man niemals lügen? Ist schon eine Höflichkeitsfloskel wie „Guten Tag, junge Dame“, mit der man eine betagte Kundin anspricht, eine Lüge? Die Bibel ist da eindeutig: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten" steht da geschrieben. Und was tun, wenn die Freundin oder Frau fragt, ob ihr Hinterteil zu dick sei? Manipulieren, Schmeicheln, Notlügen – das alles scheint Teil unserer Sozialisation zu sein, üblich und oftmals nützlich. Kinder beginnen, behaupten Experten, schon im Alter von dreieinhalb Jahren zu lügen. Und Meinungen, die wir Menschen uns im Laufe des Lebens aneignen, seien oft das Ergebnis von ewigen Fälschungen. Problematisch würden Lügen hingegen erst werden, wenn sie zu Machtzwecken verwendet würden. Päpste haben zu allen Zeiten genauso unverblümt gelogen und betrogen wie Könige. Und schließlich werde auch im Tierreich gelogen, und zwar für das Überleben. Stichwort Mimikry. Denken wir nur an die Gespensterschrecke, die vorgibt ein Zweig zu sein. Menschen sollen bis zu 200 Mal am Tag lügen.

71 Lügen in einer Wahlkampfrede

Heute gibt die Politik zahlreiche Steilvorlagen dafür, wie man lügen muss. US-Präsident Trump steht in der Rangliste ganz oben, ohne ein Monopol zu haben. Sogenannte Fact-Checker wiesen in einer seiner Wahlkampfreden 71 Lügen nach. Gewählt wurde er trotzdem. Allerdings sinkt seine Glaubwürdigkeit rapide, wie das „Edelman Trust Barometer 2018“ ermittelt hat. Bei gut informierten Amerikanern implodiert das Vertrauen in die Trump-Regierung geradezu und bricht um 23 Prozentpunkte auf 45 Prozent ein. Das ist, zusammen mit Südafrika, der niedrigste Wert der 28 untersuchten Länder. Die gute Nachricht für die deutsche Finanzbranche: Sie liegt, was das Vertrauen in sie betrifft, laut der Edelmann-Studie nicht mehr auf dem letzten Platz. Den hat sich die Automobilindustrie mit ihren Abgasskandalen redlich verdient. Zum Glück sieht man daran auch, dass Lügen tatsächlich kurze Beine haben. Und teuer werden können. Ob daraus die nötigen Lehren gezogen werden, darf bezweifelt werden. Die Finanzdienstleister konnten ihren Vertrauenswert jedenfalls…