Erschienen in Ausgabe 7-2018Schlaglicht

Die Macht der Algorithmen

Robo-Advisor befinden sich auf dem Vormarsch. Doch auch sie sind nicht losgelöst von den Märkten.

Von Michael StanczykVersicherungswirtschaft

Das Geschäft mit den Robo-Advisors boomt. Ihr schlagendes Verkaufsargument, große Renditen zu erzielen ohne dabei große Risiken einzugehen – und das vollautomatisch – zieht. Zuletzt ist die Allianz auf den Geschmack gekommen. Im Umfeld einer steigenden Nachfrage von digital-affinen Sparern und Anlegern verstärkt der Münchener Versicherer sein Engagement in Moneyfarm. Konzernchef Oliver Bäte setzt damit ein klares Ausrufezeichen an Branche samt ihren Vermittler. Bei aller Euphorie ist aber Vorsicht geboten – auch, weil es mit Aktien zuletzt fast nur aufwärts ging. Roboter gehören bei der Geldanlage zu den Gewinnern der vergangenen Jahre. Sie arbeiten automatisch, lassen sich nicht von Emotionen leiten und sind günstiger als Banken, Fondsgesellschaften oder Vermögensverwalter. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, zunächst zu ermitteln, wie viel Risiko ein Anleger tragen kann und daraus abzuleiten, welcher Teil des Geldes in den riskanteren Aktienmarkt fließen kann, der langfristig aber mehr Rendite abwirft. Die Aktienquote liegt dann, je nach Risikoneigung, in der Regel zwischen 20 und 80 Prozent. Seit 2014 boomt der Markt. Deutschlandweit sind mehr als 20 Player aktiv. Marktführer Scalable verwaltet mittlerweile eine Milliarde Kundenkundengelder. Etwa die Hälfte davon brachte die Kooperation mit der Direktbank ING-Diba ein. Auf den weiteren Plätzen rangieren Unternehmen wie Liqid (250 Mio. Euro), Cominvest (120 Mio. Euro) und Quirion (100 Mio. Euro). Insgesamt dürften die Robo-Advisor am Standort D aktuell mehr als zwei Milliarden Euro verwalten. Die Zahlen zeigen einerseits, dass das Kundeninteresse an digitaler Vermögensverwaltung steigt. Andererseits brauchen junge Unternehmen starke Partner, um mit Geldanlageprodukten schnell zu wachsen.

Neue Bedrohung für Vermittler

So geschehen im Falle Moneyfarm. Die Asset-Management-Einheit der Allianz, Allianz Asset Management, baut ihre Erstinvestition von September 2016 aus und wird damit zum Hauptinvestor und größten Minderheitsaktionär des digitalen Vermögensverwalters. Financial Times schätzte das erste Beteiligungsvolumen auf satte sieben Millionen Euro. Allianz-Vorstandsmitglied Jackie Hunt erklärt die Partnerschaft mit einer großen Nachfrage nach intelligenten und einfachen digitalen Lösungen, „insbesondere wenn es um ein ganzheitliches Management der Geldanlage geht“. Nach der zusätzlichen Investition wird die Allianz zwei Sitze im Verwaltungsrat von Moneyfarm halten. Indes weisen Skeptiker der Finanzroboter immer wieder darauf hin, dass es zuletzt keine große Kunst war, in Aktien zu investieren. Was die Modelle der Robo-Advisors wirklich taugten, werde sich erst zeigen, wenn es einmal zu einem Einbruch komme. Das Internetportal www.brokervergleich.de etwa ermittelte, wie die Finanzroboter unter dem Einbruch Anfang des Jahres litten. Es hat bei allen Robo Advisors echtes Geld angelegt. Dabei investiert es jeweils in ein Portfolio mit mittlerer Risikogewichtung. Von 24. Januar bis 9. Februar fiel der Dax um 10,7 Prozent. Fünf von acht untersuchten Robo Advisors verloren im selben Zeitraum vier bis fünf Prozent (Quirion, Sutor Bank, Fintego, Vaamo, Easyfolio), zwei verloren fünf bis sechs Prozent (Whitebox und Ginmon), einer verlor 8,2 Prozent: Scalable Capital. Auch die Vermittler dürften mit Argwohn auf die aktuellen Entwicklungen blicken. Gleichwohl wird der Trend gen Automatisierung in der Beratung durch verschiedene Studienergebnisse belegt. In zehn bis 15 Jahren würde künstliche, intelligente Systeme den klassischen Versicherungsvermittler weitgehend ersetzt haben, prognostizierten zuletzt die Studienautoren von Adcubum und der Versicherungsforen Leipzig. „Die repräsentative Umfrage hat gezeigt, dass sich mehr als 50 Prozent der Bundesbürger bereits vorstellen können, eine Versicherung komplett online abzuschließen, also ohne persönliche Beratung”, berichtet Holger Rommel, COO der Adcubum AG. Die Allianz führt ihren digitalen Weg also konsequent fort, zu groß ist das Potenzial, zu groß die Einbußen, wenn man nicht frühzeitig in das Geschäft einsteigt. „Durch die Partnerschaft können wir das Know-how von Moneyfarm bei der digitalen Vermögensverwaltung mit unserer Expertise beim aktiven Investieren und der Risikooptimierung kombinieren und attraktive Kundenlösungen gestalten“, sagt Andreas Utermann, Vorstandsvorsitzender von Allianz Global Investors. „Wir glauben, dass dies die Verfügbarkeit von aktivem Investment-Know-how in einer kostengünstigen und leicht zugänglichen Struktur erhöhen wird.“ Der Manager bingt es auf den Punkt. Es ist eine Partnerschaft, die Lücken stopft und Mehrwert schafft.