Erschienen in Ausgabe 7-2018Märkte & Vertrieb

Avale an der Zapfsäule

Kautionsversicherungen für Tankstellenpächter

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Mineralölgesellschaften fordern von neuen Tankstellenpächtern generell Sicherheiten in mindestens fünfstelliger Höhe. Die wenigsten Pächter werden diese Summe aus der Portokasse bezahlen können. Also muss ein Kredit aufgenommen oder eine Bankbürgschaft beschafft werden. Als Alternative kommen auch Kautionsversicherungen in Betracht. Kautionsversicherungen sind eigentlich Bürgschaften, die ein Versicherer für seinen Kunden – in diesem Fall den Pächter – gegenüber einem Dritten – also der Mineralölgesellschaft – übernimmt. Solche auch Avale genannte Bürgschaften können von Versicherern, aber auch von Banken gewährt werden. Ziel ist es, auf der einen Seite die geforderte Absicherung zu stellen, auf der anderen Seite aber nicht die Liquidität des Pächters über Gebühr zu belasten. Der Nachteil von Bankbürgschaften: Sie werden als Kredit gegeben und schränken entsprechend den Kreditrahmen des Pächters ein. Dadurch blockiert die Bürgschaft unter Umständen Mittel, die für dringende Investitionen benötigt werden. Mithilfe einer Kautionsversicherung gelingt es also, den Kreditrahmen und die eigene Liquidität zu erhalten und gleichzeitig die Sicherheit zu stellen, die die Mineralölgesellschaft verlangt. Nicht nur für Neueinsteiger ins Tankstellengeschäft kann diese Variante interessant sein, denn auch bestehende Sicherheitseinbehalte und Bankbürgschaften können auf diesem Wege abgelöst werden.

Einfluss der Mineralölkonzerne ist groß

Es gibt einige Versicherer, die Kautionsversicherungen anbieten, wie Axa, Zurich, Versicherungskammer Bayern, VHV und R+V. Allerdings richten sich diese Produkte mehrheitlich an kleine und mittelständische Bau- und Maschinenbauunternehmen, denen ohne Stellung von Sicherheiten meist der Zugang zu neuen Aufträgen verwehrt ist. Insofern ist die Kautionsversicherung der R+V-Versicherung eine Besonderheit, weil sie ausdrücklich auch für Tankstellenpächter geeignet ist und von den führenden Mineralölgesellschaften inhaltlich als Lösung akzeptiert wird. Pächter, deren Mineralölgesellschaft die Kautionsversicherung der R+V als Sicherheit akzeptieren, kann also dieses Produkt verkauft werden. Wie funktioniert die Inanspruchnahme einer Kautionsversicherung? Da die Mineralölgesellschaft der Gläubiger ist, wendet sie sich direkt mit etwaigen Ansprüchen an die Versicherung. In der Mehrheit sind dies offene Zahlungsverpflichtungen des Pächters gegenüber der Mineralölgesellschaft. Die Versicherung prüft dann, ob die Ansprüche rechtmäßig sind und holt eine…